Na, es wurde ja heiss diskutiert, was da vor Weihnachten im Blog stand. Ich musste wirklich viel Kritik über mich ergehen lassen (oftmals sicher auch völlig berechtigt, leider viel öfter in einem Tonfall, den ich nicht einmal meiner Kloschüssel gegenüber anschlagen würde).
Aber das macht es ja gerade aus, ich bin Jungjägerin und sicherlich frech, aufmüpfig und ich will Dinge wissen, ich will mir Fragen stellen dürfen. Und das tue ich, respektive, hab ich getan.
Spannend war nicht nur, was da öffentlich und böse diskutiert wurde, sondern auch das, was hintenrum passierte: Nämlich supernette Mails, die mich freundlich (oftmals bestimmt) auf dies oder das hinwiesen.
Fragen kann man sich im Netz ja stellen, ich betone nochmal, vieles was da steht, war hypothetisch in den Raum geworfen, zum Teil nicht fertig gedacht (shit happens, das ist ein Blog, keine wissenschaftliche Arbeit, sondern ein hingeworfener Eindruck), manchmal im Ansatz falsch und manchmal gar nicht so schlecht. Welche Teile wo, das überlasse ich dem geneigten Leser.
Aber die Fragen, die ich mir gestellt habe, denen wollte ich auf den Grund gehen, mehr erfahren, mehr wissen.
Aus purem Zufall konnte ich auf einer der Drückjagden, zu denen ich dieses Jahr gedackelt bin, ein bekanntes Schweisshundeteam begleiten. Eine Nachsuche mit Hannoverschem Schweisshund, diesem (vermeintlich) so unglaublich lahmen Gaul, eine Anschusskontrolle mit einer steirischen Bracke versprachen auf jeden Fall die Möglichkeit vieles zu erfahren. Diese HS sind verflixt schnell, das hab ich dann recht schnell gemerkt. Ich kam also in unsrem leicht hügeligen Gelände mit Mühe hinterher und ganz ehrlich: Ja, da hab ich sicher manchen Denkfehler gemacht. Das ist schon echt grosses Kino, was diese Hunde da leisten und ich sehe auch absolut ein, dass ein Vorsteher nicht für alles gemacht ist.
Aber first things first. Zuerst die Anschusskontrolle mit der steirischen Bracke, die Arbeit von der Hundeführerin war spannend, wie präzise sie ihre Fragen stellte und sich so "en passant" ein Bild von der Situation machen konnte. Zuerst suchten wir nach dem Kugelriss, den wir beim besten Willen nicht finden konnten, kurz darauf kam der Hund dazu. Ein sehr erfahrener Rüde, unglaublich, wie präzis und genau er den Boden absuchte, um dann lapidar auf den Boden zu pinkeln. Sein Zeichen für: Hier ist nichts. Nach diesem Mitteilungspiesi habe ich selten einen so deprimierten Hund gesehen. Als wir zum Anschuss hinliefen, natürlich alles aufgesattelt, war der Hund total freudig, fast schon etwas aufgedreht, obwohl diese Bracken ja normalerweise echt bedachte Vertreter ihrer Art sind (dachte ich.. dazu später). Beim Zurückgehen war der ganz Hund wirklich deprimiert. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ein 13-jähriger Hund noch so gut beieinander sein könnte und noch mit solchem Elan arbeiten möchte. Einfach absolut und völlig irre. Ich hätte ihn gern bei der Arbeit weiter beobachtet, aber eine Anschusskontrolle ohne verwundetes Stück ist andererseits auch eine Beruhigung.
Nach diesem kurzen Eindruck gings zum nächsten Anschuss, es wurde vermutet, dass das Stück von einem Schützen beschossen und bei einem zweitem Schützen schliesslich erlegt werden konnte, ich fand es unglaublich, dass es -obwohl nur geringe Zweifel waren, dass sich die Geschichte tatsächlich so zugetragen hatte- nochmals nachgesucht wurde. So möchte ich das auch machen können und dürfen (falls und wenn und überhaupt). Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig.
Hier das gleiche Spiel, dieses Mal mit dem Hundeführer. Der erste Schütze war nicht zugegen, so konnte uns nur der Ansteller Auskunft geben. Spannend, wie viel schwieriger es dann wird, einen Anschuss zu finden, wenn man den Schützen nicht selbst befragen kann und nichts markiert ist. Die Schweisshündin, so durfte ich unter meinen 480`000 Fragen erfahren, war wesentlich jünger als der Rüde und eine wilde Nudel. Das war offensichtlich, sie ist auch noch nicht so erfahren, wurde mir erzählt. Wieviel Nachsuchen das konkret bedeutet, konnte ich nicht erfahren, aber ich vermute weit mehr, als ich mir vorstellen kann.
Man merkte es auch der Dame richtig an, wie sie unbedingt suchen wollte. Das fand ich sehr beeindruckend, als es dann tatsächlich losging und der Hundeführer sicher war, auf der richtigen Fährte zu sein, konnte ich ein Spektakel erleben und da muss ich sagen, das hätte ich schlicht nicht erwartet. Mit traumwandlerischer Sicherheit lief die Hündin, die Nase tiefstens am Boden, wie auf Schienen dieser Fährte hinterher. Wir konnten einige Verweisstücke und Schweisstropfen ausmachen, die sie mit einer Vehemenz verwies, die mich wirklich staunen liess. Sie drückte die Nase tief auf den Boden, wenn sie einen Arm frei gehabt hätte, dann hätte sie noch darauf gezeigt. Unglaublich. Unglaublicher, dass der Hundeführer auch den Mikroschweisstropfen noch sehen konnte, und auch jedes weitere Verweisstückchen sofort erklären und benennen konnte.
Ich konnte unglaublich viel lernen, es war irrsinnig spannend. Und ja, Spezialisten sind Spezialisten, vieles kann sicher ein sehr gut ausgebildeter Vorstehhund auch leisten, aber eben nicht alles. Ich habe in meinem vorherigen Beitrag die Grenzen der Hunde zu wenig betrachtet. Es war wirklich eindrucksvoll Denkfehler mit dem Hammer beseitigt zu bekommen, ich bin unglaublich dankbar, dass ich meine vielen, vielen Fragen stellen konnte und immer eine geduldige, informative Antwort bekommen habe. Was auf gar keinen Fall heissen soll, dass mir im Nachgang des Gesprächs nicht noch 480`000 weitere Fragen eingefallen wären, das Thema interessiert mich brennend.
Try, fail, repeat. So sollte man lernen dürfen.
Freitag, 8. Januar 2016
Freitag, 6. November 2015
Genug der Selbstbeweihräucherung?!
Bekannterweise möchte ich mit diesen/den nächsten/wenn es passt (aber der Plan wäre schon sehr bald) Hunden Nachsuchenführerin werden. Ich arbeite derzeit hart, aber sehr positiv und mit einem Hoffnungsschimmer, an der Vorbereitung für Freyas Prüfungen. Dabei bin ich an einen Rüdemann geraten, der mich fasziniert. Unglaublicher Typ, er schafft es, dass man sich innerhalb von wenigen Sekunden gut fühlt und das Hundetraining so locker und so unglaublich leicht fällt, er korrigiert an der richtigen Stelle, lobt und straft und ach, ich bin dort sehr glücklich.
Er hat in der letzten Stunde einige sehr wichtige Dinge zum Thema Nachsuche gesagt, die mich sehr beschäftigten. Als eine junge und neue Generation der Jäger müssen wir/ich den Tatsachen ins Auge sehen, haben sich die Jäger einfach jahrelang zu sehr selbstbeweihräuchert? Gerade was das Thema Nachsuchen anbelangt? Wie gesagt, ich bin Jungjägerin, ich bin (noch) keine Nachsuchenführerin, ich habe ein paar Nachsuchen begleitet, ich finde das Thema einfach unglaublich spannend.
Trotzdem wurden da gestern Abend einige Themen angesprochen, die ich gern weiterspinnen möchte.
Schauen wir mal auf die typischen Facebook Hundegruppen, dann liest man ab und an: Kranke Sau nach 4 Kilometer Hatz gestellt, Bild vom bayrischen Gebirgsschweisshund und der toten Sau. Darunter 485 mal "Waidmannsheil!" "Tolle Leistung!" "Suchenheil" und so weiter und so fort. Aber müssen wir das wirklich beglückwünschen? Wir möchten doch, dass die Tiere so schnell, fachgerecht und schonend wie möglich gefunden, gebunden und abgetan werden. Vier Kilometer Hatz? Auf ein krankes Tier, ist das denn noch gerechtfertigt? Vier brutale Kilometer, warum muss das so lang gehen? Das Fleisch (für das wir ja nun oft genug jagen) kann man hinterher wegwerfen. Die böse Frage, war der Hund zu langsam? Wenn ich mir ansehe, wie schnell meine Drahthaardame starten kann, dagegen ist ein BGS eine langsame Schnecke. Das schlimmste, was wohl passieren kann, ist ein Treffer im Gebrech der Sau, denn sie bleibt voll mobil und auch der Blutverlust wird sich in Grenzen halten, sie bleibt sehr schnell. Aber ein gut trainierter Hund sollte auch für so etwas keine vier Kilometer brauchen, bis er die Sau gestellt hat. Ausserdem: ein Hund zur Nachsuche auf Sauen? Geht das wirklich? Wäre es für beide Tiere nicht tierschutzgerechter, wenn ein zweiter, ebenfalls scharfer Hund die Sau mit binden würde? Ich habe selbst erlebt, wie sehr man sich verschätzen kann, wenn man nachts eine Sau beschiesst. Ich war 100% sicher, dass es ein Überläufer war, am Ende war es ein nicht mehr gestreifter Frischling. Geht man nun mit einer falschen Vorstellung an diese Nachsuche heran, weil der Jäger es falsch eingeschätzt hat, dann steht man auf einmal vor 100kg Schwein, das ein Überläufer sein sollte. Und dann? Lassen wir unsere Hunde ins Verderben laufen?
Eine schnelle Hatz, ein schneller Tod, das sollte das Ziel einer Nachsuche sein. Sicherlich ist das in der Praxis nicht immer umsetzbar, aber warum setzt man vermehrt langsame Hunde ein, um schwere Nachsuchen zu machen? Warum werden die Spezialisten, wie Hannoverscher Schweisshund und BGS in den Himmel gelobt, obwohl sie auf schnelle Tiere, wie Sau und Reh eigentlich zu langsam sind? Gerade die Vernöchlässigung einer Rehnachsuche finde ich nicht gut, wer tritt denn seine Fährten mit Rehschalen? Ich versuche das immer öfter einzubauen, weil mir auffällt, dass meine Hündin mit diesen am meisten Mühe bekundet, es aber gleichzeitig das Wild ist, das wir am häufigsten antreffen und erlegen können. Schweisshunde werden oft genug auf Rotwildschweiss geprüft, aber entspricht das tatsächlich den Tatsachen, die dann auch im Revier herrschen?
Denken wir das ganze mal weiter, ich weiss nicht, wie oft es vorkommt, deshalb rede ich bei allem hier hypothethisch, der Hund hat alle Prüfungen bestanden, VSchwP, etc, erste schwierige Nachsuche mit Hatz und dem Stellen des Tieres. Packt der Hund? Sollten oder müssen Nachsuchenhunde nicht vorgängig auch ihre Härte beweisen und den Willen das Tier niederzuziehen und zu packen? Sicherlich steht das im groben Gegensatz zu dem, was wir heute in unseren weichgespülten Medien lesen und was die Politiker auf Stimmenfang verbieten wollen, denn schon das Apportieren der lebenden Ente wurde ja verboten. Dabei wäre das so wichtig, denn eine lebendige Ente verhält sich ganz anders im Fang, als eine tote. Der Hund muss den Schneid beweisen, dass er sie aufnimmt, obwohl sie quakt und flattert und sie sicher und sauber apportiert. Wir arbeiten mit böse gesagt mit dem Rohmaterial für Lebensmittel. Auch auf der Nachsuche, nach der langen Hatz ist das Fleisch sogar für Hundefutter unbrauchbar.
Sollten wir als Hundehalter und Hundeführer nicht mehr differenzieren, was wir brauchen anstatt dem Trend blindlings zu folgen? Als ich anfangs dachte, dass mein Deutsch-Drahthaar in unserem Gebiet völlig unbrauchbar wäre, habe ich viele Dinge nicht beachtet und bin heute froh darum, dass ich einen Vollgebrauchshund habe. Denn sie kann fast alles, ausser einschliefen. In unserem etwas hügeligen Gelände ist sie immer noch sehr gut unterwegs, dafür wäre sie im Gebirge gänzlich überfordert. Dort sind kleinere, leichte, wendigere Hunde viel besser aufgehoben. Wie die Schweisshunde, oder nicht? Es braucht viel Mut ein Tier, das schwer verletzt ist, zu packen und es so lang zu halten, bis der Hundeführer dazustösst und es abfängt.
Je länger ich mich mit dem Thema Jagdhunde auseinandersetze, desto öfter fallen mir Ungereimtheiten auf, warum zB gibt es Hundeführer, die ihren Hund mit dem geladenen Teletakt vorstehen lasen (der ohnehin in Deutschland verboten ist)? Wie kommt es, dass ein Setter eine geschossene Gans liegen lässt und trotzdem eine VGP Prüfung bestanden hat? Wie gesagt, ich bin noch keine Prüfung gelaufen, ich stehe in den Kinderschuhen, aber ich habe gerade die grosse Möglichkeit bei jemanden zu lernen, der seine Hunde so unglaublich ruhig und liebevoll, streng und konsequent erzieht, dass ich mir wünsche, es eines Tages vielleicht genau so zu können. Das ist ein fernes Ziel, ich bin noch lang nicht dort. Wenn der Hund gut eingearbeitet ist, dann muss er auf seinem Gebiet zuverlässig sein, sicher eine Prüfung ist ein Anhaltspunkt, aber gerade Nachsuchen... Müsste es dort nicht strenger reguliert werden? Jeder Hinz und Kunz führt ja heute seinen Fiffi "auf Schweiss", so im heimischen Revier, halt mal auf ne Nachsuche. Das macht mega viel Spass, ich mache das auch. Ich finde das völlig irre! Die Nasenleistung des Hundes gibt das sowieso allemal her und mit etwas Übung und Vorbereitung noch viel mehr sogar, aber ist bei der Nachsuche, wie auch im Apport nicht das Ende die ausschlaggebende Sache? Sauberer Apport, durchgearbeitet, heisst eben nicht, dass mir Bello am Ende die Ente vor die Füsse rotzt. Genauso muss der Hunde am Ende der Suche den Willen haben loszusprinten und das Tier zu packen und wenigstens zu halten oder abzutun. Dabei muss es egal sein, ob es ein Fuchs, eine Ente oder ein Fasan ist. Alles wird anständig apportiert, alles wird anständig gehalten.
Sollten wir nicht den Tatsachen ins Auge sehen und uns damit auseinandersetzen, dass wir uns manchmal selbst belügen? Sind manche Dinge, die wir auf Facebook lesen gar nicht so heroisch, wie wir meinen, sondern sind es einfach Selbstbeweihräucherungen, die schlussendlich gar nicht so gut waren? Müssten wir uns nicht alle etwas mehr an der Nase nehmen und uns gut überlegen, für was und für was wir unseren Hund eben nicht einsetzen?
Fragen über Fragen.... Ich hoffe, dass ich im Laufe eines langen Jägerlebens die ein oder andere beantworten kann.
Er hat in der letzten Stunde einige sehr wichtige Dinge zum Thema Nachsuche gesagt, die mich sehr beschäftigten. Als eine junge und neue Generation der Jäger müssen wir/ich den Tatsachen ins Auge sehen, haben sich die Jäger einfach jahrelang zu sehr selbstbeweihräuchert? Gerade was das Thema Nachsuchen anbelangt? Wie gesagt, ich bin Jungjägerin, ich bin (noch) keine Nachsuchenführerin, ich habe ein paar Nachsuchen begleitet, ich finde das Thema einfach unglaublich spannend.
Trotzdem wurden da gestern Abend einige Themen angesprochen, die ich gern weiterspinnen möchte.
Schauen wir mal auf die typischen Facebook Hundegruppen, dann liest man ab und an: Kranke Sau nach 4 Kilometer Hatz gestellt, Bild vom bayrischen Gebirgsschweisshund und der toten Sau. Darunter 485 mal "Waidmannsheil!" "Tolle Leistung!" "Suchenheil" und so weiter und so fort. Aber müssen wir das wirklich beglückwünschen? Wir möchten doch, dass die Tiere so schnell, fachgerecht und schonend wie möglich gefunden, gebunden und abgetan werden. Vier Kilometer Hatz? Auf ein krankes Tier, ist das denn noch gerechtfertigt? Vier brutale Kilometer, warum muss das so lang gehen? Das Fleisch (für das wir ja nun oft genug jagen) kann man hinterher wegwerfen. Die böse Frage, war der Hund zu langsam? Wenn ich mir ansehe, wie schnell meine Drahthaardame starten kann, dagegen ist ein BGS eine langsame Schnecke. Das schlimmste, was wohl passieren kann, ist ein Treffer im Gebrech der Sau, denn sie bleibt voll mobil und auch der Blutverlust wird sich in Grenzen halten, sie bleibt sehr schnell. Aber ein gut trainierter Hund sollte auch für so etwas keine vier Kilometer brauchen, bis er die Sau gestellt hat. Ausserdem: ein Hund zur Nachsuche auf Sauen? Geht das wirklich? Wäre es für beide Tiere nicht tierschutzgerechter, wenn ein zweiter, ebenfalls scharfer Hund die Sau mit binden würde? Ich habe selbst erlebt, wie sehr man sich verschätzen kann, wenn man nachts eine Sau beschiesst. Ich war 100% sicher, dass es ein Überläufer war, am Ende war es ein nicht mehr gestreifter Frischling. Geht man nun mit einer falschen Vorstellung an diese Nachsuche heran, weil der Jäger es falsch eingeschätzt hat, dann steht man auf einmal vor 100kg Schwein, das ein Überläufer sein sollte. Und dann? Lassen wir unsere Hunde ins Verderben laufen?
Eine schnelle Hatz, ein schneller Tod, das sollte das Ziel einer Nachsuche sein. Sicherlich ist das in der Praxis nicht immer umsetzbar, aber warum setzt man vermehrt langsame Hunde ein, um schwere Nachsuchen zu machen? Warum werden die Spezialisten, wie Hannoverscher Schweisshund und BGS in den Himmel gelobt, obwohl sie auf schnelle Tiere, wie Sau und Reh eigentlich zu langsam sind? Gerade die Vernöchlässigung einer Rehnachsuche finde ich nicht gut, wer tritt denn seine Fährten mit Rehschalen? Ich versuche das immer öfter einzubauen, weil mir auffällt, dass meine Hündin mit diesen am meisten Mühe bekundet, es aber gleichzeitig das Wild ist, das wir am häufigsten antreffen und erlegen können. Schweisshunde werden oft genug auf Rotwildschweiss geprüft, aber entspricht das tatsächlich den Tatsachen, die dann auch im Revier herrschen?
Denken wir das ganze mal weiter, ich weiss nicht, wie oft es vorkommt, deshalb rede ich bei allem hier hypothethisch, der Hund hat alle Prüfungen bestanden, VSchwP, etc, erste schwierige Nachsuche mit Hatz und dem Stellen des Tieres. Packt der Hund? Sollten oder müssen Nachsuchenhunde nicht vorgängig auch ihre Härte beweisen und den Willen das Tier niederzuziehen und zu packen? Sicherlich steht das im groben Gegensatz zu dem, was wir heute in unseren weichgespülten Medien lesen und was die Politiker auf Stimmenfang verbieten wollen, denn schon das Apportieren der lebenden Ente wurde ja verboten. Dabei wäre das so wichtig, denn eine lebendige Ente verhält sich ganz anders im Fang, als eine tote. Der Hund muss den Schneid beweisen, dass er sie aufnimmt, obwohl sie quakt und flattert und sie sicher und sauber apportiert. Wir arbeiten mit böse gesagt mit dem Rohmaterial für Lebensmittel. Auch auf der Nachsuche, nach der langen Hatz ist das Fleisch sogar für Hundefutter unbrauchbar.
Sollten wir als Hundehalter und Hundeführer nicht mehr differenzieren, was wir brauchen anstatt dem Trend blindlings zu folgen? Als ich anfangs dachte, dass mein Deutsch-Drahthaar in unserem Gebiet völlig unbrauchbar wäre, habe ich viele Dinge nicht beachtet und bin heute froh darum, dass ich einen Vollgebrauchshund habe. Denn sie kann fast alles, ausser einschliefen. In unserem etwas hügeligen Gelände ist sie immer noch sehr gut unterwegs, dafür wäre sie im Gebirge gänzlich überfordert. Dort sind kleinere, leichte, wendigere Hunde viel besser aufgehoben. Wie die Schweisshunde, oder nicht? Es braucht viel Mut ein Tier, das schwer verletzt ist, zu packen und es so lang zu halten, bis der Hundeführer dazustösst und es abfängt.
Je länger ich mich mit dem Thema Jagdhunde auseinandersetze, desto öfter fallen mir Ungereimtheiten auf, warum zB gibt es Hundeführer, die ihren Hund mit dem geladenen Teletakt vorstehen lasen (der ohnehin in Deutschland verboten ist)? Wie kommt es, dass ein Setter eine geschossene Gans liegen lässt und trotzdem eine VGP Prüfung bestanden hat? Wie gesagt, ich bin noch keine Prüfung gelaufen, ich stehe in den Kinderschuhen, aber ich habe gerade die grosse Möglichkeit bei jemanden zu lernen, der seine Hunde so unglaublich ruhig und liebevoll, streng und konsequent erzieht, dass ich mir wünsche, es eines Tages vielleicht genau so zu können. Das ist ein fernes Ziel, ich bin noch lang nicht dort. Wenn der Hund gut eingearbeitet ist, dann muss er auf seinem Gebiet zuverlässig sein, sicher eine Prüfung ist ein Anhaltspunkt, aber gerade Nachsuchen... Müsste es dort nicht strenger reguliert werden? Jeder Hinz und Kunz führt ja heute seinen Fiffi "auf Schweiss", so im heimischen Revier, halt mal auf ne Nachsuche. Das macht mega viel Spass, ich mache das auch. Ich finde das völlig irre! Die Nasenleistung des Hundes gibt das sowieso allemal her und mit etwas Übung und Vorbereitung noch viel mehr sogar, aber ist bei der Nachsuche, wie auch im Apport nicht das Ende die ausschlaggebende Sache? Sauberer Apport, durchgearbeitet, heisst eben nicht, dass mir Bello am Ende die Ente vor die Füsse rotzt. Genauso muss der Hunde am Ende der Suche den Willen haben loszusprinten und das Tier zu packen und wenigstens zu halten oder abzutun. Dabei muss es egal sein, ob es ein Fuchs, eine Ente oder ein Fasan ist. Alles wird anständig apportiert, alles wird anständig gehalten.
Sollten wir nicht den Tatsachen ins Auge sehen und uns damit auseinandersetzen, dass wir uns manchmal selbst belügen? Sind manche Dinge, die wir auf Facebook lesen gar nicht so heroisch, wie wir meinen, sondern sind es einfach Selbstbeweihräucherungen, die schlussendlich gar nicht so gut waren? Müssten wir uns nicht alle etwas mehr an der Nase nehmen und uns gut überlegen, für was und für was wir unseren Hund eben nicht einsetzen?
Fragen über Fragen.... Ich hoffe, dass ich im Laufe eines langen Jägerlebens die ein oder andere beantworten kann.
Mittwoch, 23. September 2015
Jägerinnen und ihre Hunde
Ich bin innerlich immer noch im Soonwald, da gibt es natürlich eine Geschichte, die ich schon angetönt habe, die aber noch ausformuliert werden möchte. Jägerinnen und ihre Hunde. Nicht nur, dass die Mädels alle so richtig jagdlich angefressen waren, jedes Mädel blühte auf, hatte ich das Gefühl. Es waren wirklich anstrengende Tage, aber die meisten Bilder sehen superentspannt und happy aus. Nein, diese Mädels führen fast alle auch noch Hunde. Und wenn ich sage "führen" dann meine ich das so. Ich habe noch nie in so kurzer Zeit so viele Menschen kennengelernt, die so viel von Hunden verstehen und so eng mit ihnen zusammen arbeiten. Unglaublich!
Obwohl Hunde fast schon ein bisschen fehl am Platz waren, weil wir vorwiegend ansitzen waren und ansonsten im Schiesskino, hatten viele Mädels einen Hund dabei. Was sich aber nach und nach herausstellte, die haben alle mindestens noch einen daheim (oder auch fünf oder sechs).
Jeder Hund war jagdlich geführt und jedes Mädel hatte einen sehr guten Grund, warum genau diese Rasse sie begleitete. Die schlaue Jägerin mit der Bracke (und daheim Wachteln), weil sie eben viel Drückjagden und Stöberarbeit mit ihren macht. Weimaraner waren auch stark vertreten, sogar eine Züchterin, die ich ausquetschte, wie eine Zitrone, weil ich gemerkt hab, wie wenig Ahnung ich bei den Jagdhunden habe. Unglaublich, jeder Hund dort hatte wenigstens eine oder mehr Prüfungen durchlaufen (ausser mein Hohlbrötchen und der 19 Wochen alte Drahthaar), ich hörte all den Geschichten von Jagden, Nachsuchen und Ausbildung mit offenem Mund zu und hätte neben meinen 50`000 Fragen, die ich schon gestellt hab, noch doppelt und dreifach so viele fragen können.
Es war wirklich unheimlich spannend. Wie viel Zeit, Arbeit, Herzblut und Wissen in dieser Ausbildung steckt, konnte ich bereits im Ansatz erahnen, aber auf gar keinen Fall die geschickten und modernen Ausbildungsmethoden. Frauen jagen nicht nur anders, Frauen bilden auch ihre Hunde anders aus, die Hunde sind Begleiter und werden nicht bloss zu jagdlichen Arbeitshilfen degradiert, wie das von den Gegnern gern gesehen wird, sie sind wichtige Bestandteile im Leben und darüber definieren sich die Mädels auch ein kleines bisschen. Es ist nicht die Art Vergleich "Zeig mir deinen Hund und ich sag dir, wer du bist.", sondern viel mehr: Guck dir meinen Hund an und du weisst, wie ich jage und wie mein Revier aussieht. Jeder Ansatz war spannend und ich kann es kaum erwarten, denn am 11. Oktober treffe ich den allersüssesten Drahthaarrüden wieder und darf dort in der Hundeschule ein Training geniessen. Völlig irre. Wer hätte das gedacht?! Vor dem Wochenende war ich nämlich wirklich an einem Punkt, wo ich dachte, dass ich Freya vielleicht in den Griff, aber jagdlich sicher nicht sehr weit bringen werde. Die viele Gespräche haben mir richtig viel Hoffnung gemacht. Die ein oder andere hatte bereits einen ähnlichen Fall und konnte mir Mut machen. Natürlich ist es wahnsinnig viel Arbeit und ich brauche Geduld und Durchhaltevermögen, aber ich hab im Soonwald echte Vorbilder kennengelernt. So will ich auch jagen können, mit Hund und Waffe.
Nicht nur, dass man morgens ganz locker beim Frühstück sitzen kann und nicht gleich einen Herzinfarkt kriegen muss, weil eine Katze vorbeiläuft und der Hund anschlägt, nein, es ist so lustig zu hören, dass diese supersauber ausgebildeten Hunde manchmal auch ein Eigenleben entwickeln und zum Beispiel mit dem Napf im Maul vor Frauen stehen, das dann eben so perfekt dressiert ist, dass auch sofort Futter in die Schüssel wandert. Dort liegt eben der Unterschied zu den Herren, Frauen sind einfach mit Herz und Herzblut dabei. Viele Hunde schlafen auf oder wenigstens nahe neben dem Bett, ich glaube, es gab niemanden, der seinen Hund ausschliesslich im Zwinger gehalten hat.
Jagd ohne Hund ist Schund, selbst wenn man "nur" ansitzen geht, ein Hund gehört zur Grundausstattung dazu. Ohne Freya und ohne diese wunderbare Bracke hätte ich meine zwei Kitze niemals gefunden. Die Flucht war bei beiden so gering, aber sie liefen in die denkbar blödeste Ecke, wo der Schilf hüfthoch stand und man keine Chance hatte den Kitzen einfach so zu folgen. Die Anschüsse habe ich jeweils schnell gefunden gehabt, aber von den Tieren keine Spur.
Freya konnte ein Kitz ohne Mühe finden, war dann, weil es ihr erstes Stück mit mir war, aber so fixiert auf diesen Punkt, dass sie das zweite nicht finden konnte - und ich es ihr auch zugegeben nicht zugetraut habe. Aber die schlaue Jägerin mit der Bracke rettete mich, obwohl (ich atmete ein wenig auf) auch Anca Mühe hatte das zweite Kitz auf Anhieb zu finden. Eigentlich ist es nicht erstaunlich, denn Kitze riechen sehr ähnlich und auch nicht sehr stark.
Obwohl Hunde fast schon ein bisschen fehl am Platz waren, weil wir vorwiegend ansitzen waren und ansonsten im Schiesskino, hatten viele Mädels einen Hund dabei. Was sich aber nach und nach herausstellte, die haben alle mindestens noch einen daheim (oder auch fünf oder sechs).
Jeder Hund war jagdlich geführt und jedes Mädel hatte einen sehr guten Grund, warum genau diese Rasse sie begleitete. Die schlaue Jägerin mit der Bracke (und daheim Wachteln), weil sie eben viel Drückjagden und Stöberarbeit mit ihren macht. Weimaraner waren auch stark vertreten, sogar eine Züchterin, die ich ausquetschte, wie eine Zitrone, weil ich gemerkt hab, wie wenig Ahnung ich bei den Jagdhunden habe. Unglaublich, jeder Hund dort hatte wenigstens eine oder mehr Prüfungen durchlaufen (ausser mein Hohlbrötchen und der 19 Wochen alte Drahthaar), ich hörte all den Geschichten von Jagden, Nachsuchen und Ausbildung mit offenem Mund zu und hätte neben meinen 50`000 Fragen, die ich schon gestellt hab, noch doppelt und dreifach so viele fragen können.
Es war wirklich unheimlich spannend. Wie viel Zeit, Arbeit, Herzblut und Wissen in dieser Ausbildung steckt, konnte ich bereits im Ansatz erahnen, aber auf gar keinen Fall die geschickten und modernen Ausbildungsmethoden. Frauen jagen nicht nur anders, Frauen bilden auch ihre Hunde anders aus, die Hunde sind Begleiter und werden nicht bloss zu jagdlichen Arbeitshilfen degradiert, wie das von den Gegnern gern gesehen wird, sie sind wichtige Bestandteile im Leben und darüber definieren sich die Mädels auch ein kleines bisschen. Es ist nicht die Art Vergleich "Zeig mir deinen Hund und ich sag dir, wer du bist.", sondern viel mehr: Guck dir meinen Hund an und du weisst, wie ich jage und wie mein Revier aussieht. Jeder Ansatz war spannend und ich kann es kaum erwarten, denn am 11. Oktober treffe ich den allersüssesten Drahthaarrüden wieder und darf dort in der Hundeschule ein Training geniessen. Völlig irre. Wer hätte das gedacht?! Vor dem Wochenende war ich nämlich wirklich an einem Punkt, wo ich dachte, dass ich Freya vielleicht in den Griff, aber jagdlich sicher nicht sehr weit bringen werde. Die viele Gespräche haben mir richtig viel Hoffnung gemacht. Die ein oder andere hatte bereits einen ähnlichen Fall und konnte mir Mut machen. Natürlich ist es wahnsinnig viel Arbeit und ich brauche Geduld und Durchhaltevermögen, aber ich hab im Soonwald echte Vorbilder kennengelernt. So will ich auch jagen können, mit Hund und Waffe.
Nicht nur, dass man morgens ganz locker beim Frühstück sitzen kann und nicht gleich einen Herzinfarkt kriegen muss, weil eine Katze vorbeiläuft und der Hund anschlägt, nein, es ist so lustig zu hören, dass diese supersauber ausgebildeten Hunde manchmal auch ein Eigenleben entwickeln und zum Beispiel mit dem Napf im Maul vor Frauen stehen, das dann eben so perfekt dressiert ist, dass auch sofort Futter in die Schüssel wandert. Dort liegt eben der Unterschied zu den Herren, Frauen sind einfach mit Herz und Herzblut dabei. Viele Hunde schlafen auf oder wenigstens nahe neben dem Bett, ich glaube, es gab niemanden, der seinen Hund ausschliesslich im Zwinger gehalten hat.
Jagd ohne Hund ist Schund, selbst wenn man "nur" ansitzen geht, ein Hund gehört zur Grundausstattung dazu. Ohne Freya und ohne diese wunderbare Bracke hätte ich meine zwei Kitze niemals gefunden. Die Flucht war bei beiden so gering, aber sie liefen in die denkbar blödeste Ecke, wo der Schilf hüfthoch stand und man keine Chance hatte den Kitzen einfach so zu folgen. Die Anschüsse habe ich jeweils schnell gefunden gehabt, aber von den Tieren keine Spur.
Freya konnte ein Kitz ohne Mühe finden, war dann, weil es ihr erstes Stück mit mir war, aber so fixiert auf diesen Punkt, dass sie das zweite nicht finden konnte - und ich es ihr auch zugegeben nicht zugetraut habe. Aber die schlaue Jägerin mit der Bracke rettete mich, obwohl (ich atmete ein wenig auf) auch Anca Mühe hatte das zweite Kitz auf Anhieb zu finden. Eigentlich ist es nicht erstaunlich, denn Kitze riechen sehr ähnlich und auch nicht sehr stark.
Sonntag, 20. September 2015
Wahre Werte
Was macht die Jagd eigentlich aus? Wozu steht man nach wenigen Stunden Schlaf aus, rennt einen Tag schweisstreibend durch die Gegend und bildet seine Hunde in Fächern aus, die anstrengend und zeitraubend sind? Jagd ist nicht Spass im eigentlichen Sinn und daher vielen Nichtjägern nur schwer begreiflich zu machen, oft wird der Nahrungserwerb als Grund genommen, warum man jagen geht. Es gibt viele weitere, aber darauf möchte ich gar nicht zu stark eingehen. Um eine solche freiwillige Arbeit aufzunehmen, denn Jagd als Hobby zu diffamieren ist nicht korrekt, es ist eine ehrenamtliche Arbeit, für die man sehr viel Geld bezahlt, muss man schon sehr passioniert sein.
Je länger ich nun den Jagdschein habe, umso mehr probiere ich aus. Anfangs war ich nur in unserem Revier jagen, ich liebe das Revier, in dem ich einen Begehungsschein habe. Es ist weder besonders gross, noch hat es einen besonderen Wildbesatz, aber es ist einfach schön. Mit seinem Wasserfall, den vielen Vögeln, wunderbar. Aber nicht nur unser Revier, auch unser Team ist grandios, meistens, ab und an gibts halt mal eine Auseinandersetzung - gehört dazu.
Nun mache ich meine ersten Schritte vor die heimatliche Tür und merke, es gibt so viel zu entdecken. Ich gehe gern auch einmal woanders jagen, die Frauenjagd war im Soonwald, ein weitläufiges Rotwildrevier, das nach deutscher Tradition mehrheitlich in Ansitzjagd bejagt wird.
Nun hatte ich dieses Wochenende das grosse Glück in der Schweiz ein Revier besuchen zu dürfen. Das Jagdsystem ist ganz anders, sogar das Ausbildungssystem, vermutlich viel traditioneller, als in Deutschland. Als Jungjäger wird man von einem Lehrrevier ausgebildet, das dauert mindestens 2 Jahre, danach gibt es auch eine Prüfung. Auch das System in ein Revier aufgenommen zu werden ist anders, sehr viel politischer und mit einigen Ränkespielen verbunden.
Was an beiden Wochenenden aber ganz genau gleich war: Jäger sind unglaubliche Menschen. Letztes Wochenende fuhr mich eine Jägerin einfach so quer durch die halbe Republik zu einem Krankenhaus, weil ich mir etwas blöd die Hornhaut gerissen habe. Wir kannten uns nur wenige Stunden, aber für sie war es glasklar und ich war über die Massen dankbar und bin es immer noch.
Ich konnte im Soonwald zwei Bockkitze erlegen, das eine konnte ich mit Freya leicht finden, beim zweiten bekundete sie sehr grosse Mühe, der herbeigeeilten, schlauen Jägerin mit ihrer alpenländischen Dachsbracke musste ich nicht viel erklären, sie fand das Rehkitz. Es war sauber geschossen, lief aber noch wenige Meter in ein hohes Schilffeld, wo es unauffindbar war für mich.
Dieses Wochenende durfe ich, wie gesagt, in der Schweiz jagen. Ein Traum, Entenjagd und ich durte auch noch Freya mitbringen, wobei ich von Anfang an betonte, dass sie noch kein ausgebildeter Hund wäre. Aber nicht nur, dass ich mit meinem Hund Enten jagen durfte, nein, ich wurde in eine wunderbar quirlige Familie aufgenommen, wo ich mich von Anfang so fühlte, als würde ich dazugehören. Es war so unglaublich herzlich, lustig, spannend, .... und noch so viel mehr. Einfach toll, ich konnte bei beiden Jagden meinen Erfahrungshorizont unglaublich erweitern. Vor beiden Jagden habe ich deutlich betont, dass ich Jungjägerin bin, im heimatlichen Revier wissen alle, dass ich die unerfahrenste Jägerin bin und trotzdem bekomme ich die Chance einfach mitzumachen. Ein Dorn im Auge einiger alter Jäger, aber unter den jüngeren Jägern mittlerweile gang und gäbe. Ich wurde zweimal unglaublich freundlich willkommen geheissen, trotz meines etwas Hundchens, der nicht ganz einfach ist und noch viel Ausbildung braucht. Es sind diese Menschen, mit denen ich "meine" Jagdwerte teile, es war gar keine Frage, dass wir das Kitz so lang suchen, bis wir es gefunden haben, wir konnten eine Ente nicht auf Anhieb finden, anstatt an einen anderen Ort zu fahren, wie es manch anderer gemacht hätte, haben wir alles daran gegeben diese Ente zu finden.
Ich selbst würde mich als traditionelle Jägerin sehen, aber ich schätze die modernen Aspekte, die nun in die Jägerschaft hineingetragen werden. Es ist nicht mehr so steif, es wird mit Herz gejagt, Abschuss gehört zur Jagd dazu, sonst gibt es eben nichts zu essen, aber man lässt lieber den Finger gerade, wenn man nicht sicher ist. Die vermeintliche Geltgeiss, die wir auf der Pirsch sehen konnten, führte schlussendlich drei Kitze, die aber erst sichtbar wurden, nachdem die Geiss fortlief.
Jäger werden gern als schmerbäuchige, betrunkene Menschen dargestellt. Die meisten sind nicht mehr dick, aber Jäger sind Genussmenschen, es ist ein Genuss ein selbstgeschossenes Tier zu essen, weil man weiss, wie und wo es gelebt hat und wie es zu Tode gekommen ist. Meistens kann man sich auch die Frage nach dem warum beantworten.
So zeigen sich mir die wahren Werte der Jagd, ich habe die Menschen, denen ich während der letzten zwei Wochenenden begegnen durfte, nur via Facebook kennengelernt und bin einfach so in die Fremde gefahren und habe dort tolle Menschen kennengelernt, Erfahrungen machen dürfen, die ich nicht missen möchte. Würden wir untereinander alle so miteinander umgehen, dann hätten wir ein unglaubliches Potential.
Jäger werden gern als schmerbäuchige, betrunkene Menschen dargestellt. Die meisten sind nicht mehr dick, aber Jäger sind Genussmenschen, es ist ein Genuss ein selbstgeschossenes Tier zu essen, weil man weiss, wie und wo es gelebt hat und wie es zu Tode gekommen ist. Meistens kann man sich auch die Frage nach dem warum beantworten.
So zeigen sich mir die wahren Werte der Jagd, ich habe die Menschen, denen ich während der letzten zwei Wochenenden begegnen durfte, nur via Facebook kennengelernt und bin einfach so in die Fremde gefahren und habe dort tolle Menschen kennengelernt, Erfahrungen machen dürfen, die ich nicht missen möchte. Würden wir untereinander alle so miteinander umgehen, dann hätten wir ein unglaubliches Potential.
Montag, 14. September 2015
Packliste für eine Jägerinnen Jagd
Wie der erste Beitrag bereits vermuten lässt, ich war gelinde gesagt, unvorbereitet auf das, was mich erwartete. Nicht nur ich, auch mein Köfferchen. Zum Glück gibt es auch hier unter den Frauen diese Engel, die dir in jeder Lebenslage aushelfen können und ihren Erfahrungsschatz auch gern teilen.
Auf jeden Fall sollte man, wenn man in ein fremdes Revier fährt für jede Witterung Klamotten dabei haben. Verlasse dich niemals auf den Wetterbericht, sondern pack grosszügig ein. Grosser Fehler meinerseits. Nach diesem ersten Abend fuhren wir ja sofort zum Ansitz - die Mädels waren so drisselig wie bei der Ankunft der Chippendales. Unglaublich! Schnöder Ansitz? Nix da. Jede Jagd ist Passion. Deshalb sollte man auch möglichst diese Klamotten sofort griffbereit haben und sich auf gar keinen Fall schämen eine dicke Hose anzuziehen. Überhaupt ist zwar funktionelle Kleidung wirklich ein absolutes Muss, aber Dinge wie Rasierer und Schminke kann man getrost zu Hause lassen. Die paar wenigen Stunden Schlaf verbringt man nicht im Bad, obwohl ich einigen der Mädels durchaus zutrauen, dass sie sich ohne Spiegel perfekt schminken können, damit sie nach dem Morgenansitz direkt zum Job fahren können. Die sind so! Ich hätte das nie für möglich gehalten. Vielleicht muss ich sagen: Ich bin auch so. Ich werde so.
Dinge wie: ein nicht jagdtaugliches Hemd, Jeans, Turnschuhe, schöne Schuhe, eigentlich alles, was der nicht-jagdliche Kleiderschrank (ich habe zwei, einen jagdlichen und einen unjagdlichen Kleiderschrank) hergibt, das kann getrost daheim bleiben. Meine beiden schönen Hemden hab ich nicht gebraucht, viel zu unpraktisch. Dafür sind ausreichend Jagdhosen wirklich ein grosser Vorteil, dicke Socken, bequeme Schuhe und Kleidung, die sich für Schichten eignet.
Jägerinnen sind aber nicht nur praktisch, sondern sie sind auch Frauen. Aber sie definieren sich anders, ein modischer Schal mit Hirschi drauf, tolle Jagdhosen, die sowohl schön, wie auch praktisch sind, ein Statementshirt ("Ich schlag dich aus der Decke!" - Was angesichts eines Morgenansitzes mit Aufstehen um 04:50 ernst zu nehmen ist!), hübscher Jagdschmuck, ein tolles Pfeifenband, ein spezieller Waffengurt (pink, Loden oder Rucksack) an der Waffe, ein besonderer Rucksack, irgendetwas individuelles hatte jede Jägerin an oder um sich.
Um es vorneweg zu nehmen, ich war völlig schief ausgerüstet und habe fröhlich "Schüttel den Speck" auf dem Ansitz gespielt, sehr unlustig, das vergällt einem die Jagd. Zu meinem grossen Glück war die Betreiberin eines Onlineshops für Damenjagdbekleidung auch dabei (www.waidfrau.de ... mehr als empfehlenswert, denn die Beratung ist perfekt!), als Jägerin weiss sie einfach, was frau braucht und hatte das auch in ihrem Auto - auf unsere Anfrage- dabei. Von da an brauchte ich nicht mehr frieren. Wie genial!
Diese Sache mit den Schuhen, die ist auch sehr lustig. Jägerinnen besitzen alle, ohne Ausnahme, die perfekten Wanderschuhe. Sie brauchen sie einfach, das beste daran ist, sie sehen darin einfach alle gut aus. Wenn andere Frauen beim Kaffee über Manolo reden, dann reden Jägerinnen vor dem Schiesskino über die perfekten Gummistiefel oder den Besohlungsservice von LOWA, der die geliebten, aber leider durchgelaufenen Schuhe retten kann- ähnlich wie der Puppendoktor früher.
Komplettiert wird das Outfit durch das Auto, nicht bei allen, aber meine quirlige Zimmernachbarin mit ihrem Jimny war einfach DAS Paradebeispiel. Ich könnte in meinem Autochen nicht einmal ein Kitz bergen, die anderen Mädels packen den Hirsch locker in dein Kofferaum. Aber das Auto ist wie das Outfit, unaufgeregt, praktisch, aber trotzdem individuell und schön.
Das ausreichend Munition und die Waffe dazugehören versteht sich von selbst, ebenso Fernglas, etc. Und auf jeden Fall eine gute Taschenlampe, nicht, um die Toilette, sondern um das Reh nachts zu finden. U
Und wie gehts weiter? Jägerinnen und ihre Jagd. :)
Sonntag, 13. September 2015
Heaven is a place on earth
Wir leben in schweren Zeiten. Flüchtlingsdrama, Krieg, Verunsicherung, ...Trotzdem sollte man die wunderbaren, magischen Momente dieser Zeit geniessen. Dieses Wochenende hatte ich 72 viel zu kurze Stunden einen dieser Momente. Ich war via Facebook, diesem speziellen Medium, zu einer Frauenjagd eingeladen worden. Anfangs war ich doch recht skeptisch, viele Mädels älter als ich (ok, das macht nichts, aber man weiss ja nie...), es machte den Anschein, als würden sich alle bereits kennen, alleine wollte ich nicht so recht hin. Kaffeeklatsch, Mädels und jagen?! Geht das? Ausserdem bin ich gerade so angefressen auf Wildschweine, soll ich da wirklich hin? Wo viele Frauen aufeinander treffen ist gern auch viel Zickenkrieg. Ach, hin- und hergerissen....
Schaden würde es aber sicher nicht, also warum nicht?
Am Freitagmorgen packte ich also hektisch meine Siebensachen, meine Woche war anstrengend gewesen und ich hatte das völlig verschlafen. Schnell zu meinem Partner in die Wohnung, Waffe holen, Lotti liess bei ihm, Freya, dieses anhängliche Wesen, durfte mit. Und dann los. 450 Kilometer Auto fahren, zwischendrin fragte ich mich schon, ob ich nicht gehörig einen an der Waffel hätte. Für zwei Tage so viele Kilometer reissen, aber naja. Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen.
Ich fand mich so ländlich wieder, dass mein Navi mich drei Dörfer vor dem eigentlichen Gasthaus verliess und ich mich durchfragen musste. Endlich dort war ich auch erstmal alleine, keine andere Menschenseele um mich herum, ausser der Herbergsleiterin, die mit Blick auf meinen zotteligen Begleiter Hunde im Bett sofort untersagte. Och ne, die pennen bei mir doch immer im Bett.
Kurze Zeit nach mir trudelte ein grüner Jimny ein, auf dem Dach ein Schlafaufbau, darin grauhaarige Dame, das passte irgendwie noch nicht in mein Weltbild und auch die schwierige Handtasche, die zu Frauen mit grauen Haaren gehört, hatte sie nicht dabei. Die Begrüssung, obwohl wir uns nicht kannten, war sehr herzlich. Wow! So will ich auch sein, wenn ich älter werde. Die Erwähnung von fünf Hunden ("Weisst du, einer ist halt nur Hund, der Rest ist aber jagdich geführt.") brachte mich erst recht zum Staunen, es waren nämlich nicht irgendwelche Hunde, sondern Weimaraner und ein Rauhbart. Wie bitte?! Mein Kiefer fand sich das erste Mal auf dem Boden wieder, so quirlig und so nett hatte ich schon lang keine Dame mehr erlebt.
Planlos, wie ich gern bin, heftete ich mich an ihren Jimny und wir fuhren zur Jagdhütte, eine nette Untertreibung für ein vollausgestattetes Haus in einem weiten Waldgebiet. Dort trafen wir auf die weiteren Mädels - wow, allesamt und jede eine einzigartige, passionierte Frau, gestandene und noch nicht so gestandene Jägerinnen und ich dazwischen. Die Begrüssung war herzlich, bei allen. Zickenkrieg? Böse Blicke? Meiden? Nö. Nicht einmal. Wow. klar kannten sich viele untereinander, aber das war eigentlich nicht weiter tragisch, der Rest wurde integriert. Fertig. Mir schwirrte der Kopf vor lauter Namen, wenn ich allerdings Stösschen und einen ruhigen Abend erwartet hätte- völlig fehl am Platz. Diese Mädels sind passioniert- und wie. Es gab hervorragendes Rehgyros, viel, viel Gelächter und spannende Gespräche, bis unser Jagdleiter sich erhob und verkündete, auf was wir jagen würden. Heute Abend, quasi sofort, mein Kiefer fand sich abermals auf dem Boden der Tatsachen wieder. ROTWILD???? Hatte ich das recht verstanden? Ich vergewisserte mich nochmals. Ja. Das, was mein Traum vom Jagen war. Genau dieses Rotwild, das ich seit Kindertagen staunend in jedem Tierpark betrachte und mich kaum losreissen kann.
Alle brannten darauf loszufahren, wir wurden auf die Ansteller verteilt, ich war noch viel zu tüddelig und zu unorganisiert, um alles direkt griffbereit zu haben, also musste ich mich gehörig beeilen, um hinterher zu kommen. Mein Jagdteam bestand aus unserem genialen Ansteller, einer ganz frisch gebackenen Jägerin und einem Mädel mit dicker Hose (wie ich sie in dem Augeblick noch etwas mitleidig anschaute und circa dreissig Minuten später für ihre weise Voraussicht bewunderte) mit einer Dachsbracke, die mich an Lotti erinnerte, klein, wurstig, eigen und einfach zum Liebhaben - später an diesem Wochenende waren es genau diese Dachsbracke und diese schlaue Jägerin, die mir riesig helfen würden. Die ich, obwohl ich sie kaum 72 Stunden kannte, fest ins Herz schliessen würde, wie viele der anderen Mädels auch.
Dazu und den anderen Abenteuern, die ich erleben durfte bald mehr.
Samstag, 29. August 2015
Schweinesonne
Ich gebe es ganz offen zu, das mittlerweile faszinierendste Tier (neben Rotwild, aber das haben wir bei uns nicht im Revier) sind Wildschweine. Wildschweine sind unglaublich. Wirklich. Ich habe schon so manchen Schweinekontakt auf Drückjagden gehabt, diese Tiere sind faszinierend. Mittlerweile kann ich durch den Wald laufen und man riecht sie förmlich, wirklich sehen kann man sie aber nicht. Wildschweine sind wohl das Cleverste, was hier herumläuft, dagegen ist ein Fuchs ein Dummchen - und die sind schon ziemlich schlau.
Nicht nur ihre enorme Anpassungsfähigkeit, sie nutzen die ökologischen Nischen perfekt aus und vermehren sich praktisch ungehindert - wir Jäger können da nur den Hut vor ziehen - nein, auch ihre unglaubliche soziale Struktur macht sie zu etwas besonderem. Wildschweine sind wehrhaft, hierarchisch und gleichzeitig liebevoll mit ihren Frischlingen, wobei da auch gerne mal ein frecher Frosch über die Kirrung fliegt.
Der geneigte Leser hört es bereits. Ich bin fasziniert. Mehr als fasziniert, ich bin ein bisschen verliebt.
Nun hatte ich meine ersten zwei ernsthaften Schweinekontakte mit Waffe, das Gefühl, wenn die Schweine anwechseln ist schlicht irre. Gestern Abend hatte ich mich -mehr schlecht als recht- auf meinem Hochsitz zurechtgefuckelt, den grossen Hund auch noch irgendwo verstaut, alles ziemlich klappersicher irgendwo hingelegt, wo ich die wichtigen Dinge schnell finden konnte, es war ganz schön eng. Irgendwie hatte ich es geschafft meine Wenigkeit auf dem Stuhl so zu placieren, dass ich die Augen zumachen konnte und auch Freya, die mittlerweile eine ziemlich tolle Begleiterin ist, schlief tief und fest und träumte von Hasenjagden oder dergleichen.
Wie dem auch sei, man schläft im Wald nie wirklich tief (ausser auf der Schlafkanzel, aber das ist eine andere Geschichte) und ich hörte es knacken. Igel, ganz sicher Igel. Aber das Grunzen wollte so gar nicht zu Igeln passen. Komisch, als Jungjägerin lasse ich mich noch allzu gern aufs Glatteis führen. Peltor leise aufgesetzt, Waffe aber stehen lassen, Fernglas hochgenommen, obwohl das Licht des Mondes an meiner Kirrung mehr als genug war, um alles zu sehen, was sich im Licht des Mondes befinden würde. Alles ausserhalb wäre sehr schwer anzusprechen und damit für mich nicht erreichbar. Einen Fehler möchte ich mir nicht erlauben, einen Fehlschuss oder dergleichen, deshalb lasse ich den Finger lieber gerade, ehrlich gesagt.
Auf einmal stand sie da. Wie ein Scherenschnitt aus schwarzem Karton, ein Wildschwein. Ein ziemlich Grosses sogar. Freya war unterdessen aufgewacht, verhielt sich aber völlig still, gutes Mädel. Ich nahm leise meine Waffe auf, die Sau stand breit und sicherte über die Kirrung hinweg. Zu dem Zeitpunkt konnte ich das Tier noch nicht korrekt ansprechen, sprich, ich war mir unsicher, ob es sich um eine Bache oder einen Keiler handelte. Wie von meinem Jagdherren immer wieder gehört: Lass dir Zeit, warte ein paar Minuten ab. Es waren viele, viele lange Sekunden, Relativitätstheorie in der Praxis. Ich konnte es hinter dem grossen Schwein knacken hören. Als Jungjägerin bin ich noch nicht geübt darin zu unterscheiden, ob da weitere grosse, oder viele kleine Schweine kommen. Der kleine rote Punkte leuchtete unterdessen perfekt auf das Blatt des Schweins. Abziehen? Warten? Ich entschied mich für Warten, denn da war ja noch was im Busch. Langsam zog die Sau über die mondbeschienene Kirrung, so langsam, dass ich weiterhin versucht war abzuziehen, die Waffe war längst entsichert. 4mm und etwas Abzugsgewicht "meiner" geliebten Voere trennten das Tier vom Tod, für den Moment pardonnierte ich es. Aber?
Dann ging es rasend schnell, auf einmal war die ganze Kirrung voll mit kleinen Schweinen, 10-12 konnte ich zählen, und noch ein zweites, grosses Schwein dabei. Zum Glück war ich so geistesgegenwärtig und habe es verschont, ich hätte die Leitbache weggeschossen, die Frischlinge waren nicht mehr gestreift, es wäre kein Jagdvergehen gewesen, für das man mich vor Gericht hätte belangen können, aber eine erfahrene Bache ist Gold wert. Es gilt solche Tiere zu verschonen. Ich war einerseits kurz erleichtert und dann erst richtig angespannt, im Peltor konnte ich neben den schmatzenden Schweinen meinen Herzschlag hören, von Müdigkeit keine Spur mehr, Adrenalin rauscht durch den Körper, das Herz schlägt höher, Jagdfieber. Die schlaue Bache führte ihre Frischlinge genau auf den dunklen Schatten der Kirrung, wenn sich einer schnell -zu schnell für eine unerfahrene Jungjägerin- auf die hellen Flecken verirrte, wurde er zurückgegrunzt. Die ganze Zeit hatte ich die Waffe bereit im Anschlag, es war klar, dass es den kleinen Frischlingen galt und ich wartete -innerlich ungeduldig- äusserlich still, fast schon mit angehaltenem Atem auf meine Chance.
Sie kam nicht, die Bache war zu schlau und zeigte ihren Kindern, wie sie sich in einer Vollmondnacht verhalten müssen, um den nächsten Tag zu erleben. Eine halbe Stunde hörte ich sie schmatzen und wühlen, schubbern und quieken. Fast schon unerträglich. Keins machte einen Fehler, die Türmchen der Kirrung mit etwas Mais darunter, die wohlweislich genau im Mondlicht lagen, blieben unberührt. Ich konnte sie immer wieder kurz sehen, aber es stand nie eines so breit, dass ich zum Schuss kam. Auch das ist Jagd. Das stachelt an.
Ich bemerkte meinen Fehler zu spät, weil es so unerträglich heiss in der Kanzel war, als wir aufbaumten, hatte ich zwei Fenster geöffnet, als die Sauen anwechselten stand mir der Wind perfekt im Gesicht, auf einmal spürte ich ihn links im Gesicht und damit ging ein Luftzug durch meine Kanzel. Man sagt, dass Schweine nicht gut äugen (sehen), aber sehr gut winden (riechen). Die Bestätigung dafür erhielt ich an diesem Abend. Vermutlich war es die Melange aus Hund und Mensch, die der Bache verriet, dass sie gerade alle mit dem Leben davon gekommen waren, mit einem empörtem Blasen und lauten Geraschel waren alle in Windeseile verschwunden. Wie Schatten.
Nicht nur ihre enorme Anpassungsfähigkeit, sie nutzen die ökologischen Nischen perfekt aus und vermehren sich praktisch ungehindert - wir Jäger können da nur den Hut vor ziehen - nein, auch ihre unglaubliche soziale Struktur macht sie zu etwas besonderem. Wildschweine sind wehrhaft, hierarchisch und gleichzeitig liebevoll mit ihren Frischlingen, wobei da auch gerne mal ein frecher Frosch über die Kirrung fliegt.
Der geneigte Leser hört es bereits. Ich bin fasziniert. Mehr als fasziniert, ich bin ein bisschen verliebt.
Nun hatte ich meine ersten zwei ernsthaften Schweinekontakte mit Waffe, das Gefühl, wenn die Schweine anwechseln ist schlicht irre. Gestern Abend hatte ich mich -mehr schlecht als recht- auf meinem Hochsitz zurechtgefuckelt, den grossen Hund auch noch irgendwo verstaut, alles ziemlich klappersicher irgendwo hingelegt, wo ich die wichtigen Dinge schnell finden konnte, es war ganz schön eng. Irgendwie hatte ich es geschafft meine Wenigkeit auf dem Stuhl so zu placieren, dass ich die Augen zumachen konnte und auch Freya, die mittlerweile eine ziemlich tolle Begleiterin ist, schlief tief und fest und träumte von Hasenjagden oder dergleichen.
Wie dem auch sei, man schläft im Wald nie wirklich tief (ausser auf der Schlafkanzel, aber das ist eine andere Geschichte) und ich hörte es knacken. Igel, ganz sicher Igel. Aber das Grunzen wollte so gar nicht zu Igeln passen. Komisch, als Jungjägerin lasse ich mich noch allzu gern aufs Glatteis führen. Peltor leise aufgesetzt, Waffe aber stehen lassen, Fernglas hochgenommen, obwohl das Licht des Mondes an meiner Kirrung mehr als genug war, um alles zu sehen, was sich im Licht des Mondes befinden würde. Alles ausserhalb wäre sehr schwer anzusprechen und damit für mich nicht erreichbar. Einen Fehler möchte ich mir nicht erlauben, einen Fehlschuss oder dergleichen, deshalb lasse ich den Finger lieber gerade, ehrlich gesagt.
Auf einmal stand sie da. Wie ein Scherenschnitt aus schwarzem Karton, ein Wildschwein. Ein ziemlich Grosses sogar. Freya war unterdessen aufgewacht, verhielt sich aber völlig still, gutes Mädel. Ich nahm leise meine Waffe auf, die Sau stand breit und sicherte über die Kirrung hinweg. Zu dem Zeitpunkt konnte ich das Tier noch nicht korrekt ansprechen, sprich, ich war mir unsicher, ob es sich um eine Bache oder einen Keiler handelte. Wie von meinem Jagdherren immer wieder gehört: Lass dir Zeit, warte ein paar Minuten ab. Es waren viele, viele lange Sekunden, Relativitätstheorie in der Praxis. Ich konnte es hinter dem grossen Schwein knacken hören. Als Jungjägerin bin ich noch nicht geübt darin zu unterscheiden, ob da weitere grosse, oder viele kleine Schweine kommen. Der kleine rote Punkte leuchtete unterdessen perfekt auf das Blatt des Schweins. Abziehen? Warten? Ich entschied mich für Warten, denn da war ja noch was im Busch. Langsam zog die Sau über die mondbeschienene Kirrung, so langsam, dass ich weiterhin versucht war abzuziehen, die Waffe war längst entsichert. 4mm und etwas Abzugsgewicht "meiner" geliebten Voere trennten das Tier vom Tod, für den Moment pardonnierte ich es. Aber?
Dann ging es rasend schnell, auf einmal war die ganze Kirrung voll mit kleinen Schweinen, 10-12 konnte ich zählen, und noch ein zweites, grosses Schwein dabei. Zum Glück war ich so geistesgegenwärtig und habe es verschont, ich hätte die Leitbache weggeschossen, die Frischlinge waren nicht mehr gestreift, es wäre kein Jagdvergehen gewesen, für das man mich vor Gericht hätte belangen können, aber eine erfahrene Bache ist Gold wert. Es gilt solche Tiere zu verschonen. Ich war einerseits kurz erleichtert und dann erst richtig angespannt, im Peltor konnte ich neben den schmatzenden Schweinen meinen Herzschlag hören, von Müdigkeit keine Spur mehr, Adrenalin rauscht durch den Körper, das Herz schlägt höher, Jagdfieber. Die schlaue Bache führte ihre Frischlinge genau auf den dunklen Schatten der Kirrung, wenn sich einer schnell -zu schnell für eine unerfahrene Jungjägerin- auf die hellen Flecken verirrte, wurde er zurückgegrunzt. Die ganze Zeit hatte ich die Waffe bereit im Anschlag, es war klar, dass es den kleinen Frischlingen galt und ich wartete -innerlich ungeduldig- äusserlich still, fast schon mit angehaltenem Atem auf meine Chance.
Sie kam nicht, die Bache war zu schlau und zeigte ihren Kindern, wie sie sich in einer Vollmondnacht verhalten müssen, um den nächsten Tag zu erleben. Eine halbe Stunde hörte ich sie schmatzen und wühlen, schubbern und quieken. Fast schon unerträglich. Keins machte einen Fehler, die Türmchen der Kirrung mit etwas Mais darunter, die wohlweislich genau im Mondlicht lagen, blieben unberührt. Ich konnte sie immer wieder kurz sehen, aber es stand nie eines so breit, dass ich zum Schuss kam. Auch das ist Jagd. Das stachelt an.
Ich bemerkte meinen Fehler zu spät, weil es so unerträglich heiss in der Kanzel war, als wir aufbaumten, hatte ich zwei Fenster geöffnet, als die Sauen anwechselten stand mir der Wind perfekt im Gesicht, auf einmal spürte ich ihn links im Gesicht und damit ging ein Luftzug durch meine Kanzel. Man sagt, dass Schweine nicht gut äugen (sehen), aber sehr gut winden (riechen). Die Bestätigung dafür erhielt ich an diesem Abend. Vermutlich war es die Melange aus Hund und Mensch, die der Bache verriet, dass sie gerade alle mit dem Leben davon gekommen waren, mit einem empörtem Blasen und lauten Geraschel waren alle in Windeseile verschwunden. Wie Schatten.
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