Ich gebe es ganz offen zu, das mittlerweile faszinierendste Tier (neben Rotwild, aber das haben wir bei uns nicht im Revier) sind Wildschweine. Wildschweine sind unglaublich. Wirklich. Ich habe schon so manchen Schweinekontakt auf Drückjagden gehabt, diese Tiere sind faszinierend. Mittlerweile kann ich durch den Wald laufen und man riecht sie förmlich, wirklich sehen kann man sie aber nicht. Wildschweine sind wohl das Cleverste, was hier herumläuft, dagegen ist ein Fuchs ein Dummchen - und die sind schon ziemlich schlau.
Nicht nur ihre enorme Anpassungsfähigkeit, sie nutzen die ökologischen Nischen perfekt aus und vermehren sich praktisch ungehindert - wir Jäger können da nur den Hut vor ziehen - nein, auch ihre unglaubliche soziale Struktur macht sie zu etwas besonderem. Wildschweine sind wehrhaft, hierarchisch und gleichzeitig liebevoll mit ihren Frischlingen, wobei da auch gerne mal ein frecher Frosch über die Kirrung fliegt.
Der geneigte Leser hört es bereits. Ich bin fasziniert. Mehr als fasziniert, ich bin ein bisschen verliebt.
Nun hatte ich meine ersten zwei ernsthaften Schweinekontakte mit Waffe, das Gefühl, wenn die Schweine anwechseln ist schlicht irre. Gestern Abend hatte ich mich -mehr schlecht als recht- auf meinem Hochsitz zurechtgefuckelt, den grossen Hund auch noch irgendwo verstaut, alles ziemlich klappersicher irgendwo hingelegt, wo ich die wichtigen Dinge schnell finden konnte, es war ganz schön eng. Irgendwie hatte ich es geschafft meine Wenigkeit auf dem Stuhl so zu placieren, dass ich die Augen zumachen konnte und auch Freya, die mittlerweile eine ziemlich tolle Begleiterin ist, schlief tief und fest und träumte von Hasenjagden oder dergleichen.
Wie dem auch sei, man schläft im Wald nie wirklich tief (ausser auf der Schlafkanzel, aber das ist eine andere Geschichte) und ich hörte es knacken. Igel, ganz sicher Igel. Aber das Grunzen wollte so gar nicht zu Igeln passen. Komisch, als Jungjägerin lasse ich mich noch allzu gern aufs Glatteis führen. Peltor leise aufgesetzt, Waffe aber stehen lassen, Fernglas hochgenommen, obwohl das Licht des Mondes an meiner Kirrung mehr als genug war, um alles zu sehen, was sich im Licht des Mondes befinden würde. Alles ausserhalb wäre sehr schwer anzusprechen und damit für mich nicht erreichbar. Einen Fehler möchte ich mir nicht erlauben, einen Fehlschuss oder dergleichen, deshalb lasse ich den Finger lieber gerade, ehrlich gesagt.
Auf einmal stand sie da. Wie ein Scherenschnitt aus schwarzem Karton, ein Wildschwein. Ein ziemlich Grosses sogar. Freya war unterdessen aufgewacht, verhielt sich aber völlig still, gutes Mädel. Ich nahm leise meine Waffe auf, die Sau stand breit und sicherte über die Kirrung hinweg. Zu dem Zeitpunkt konnte ich das Tier noch nicht korrekt ansprechen, sprich, ich war mir unsicher, ob es sich um eine Bache oder einen Keiler handelte. Wie von meinem Jagdherren immer wieder gehört: Lass dir Zeit, warte ein paar Minuten ab. Es waren viele, viele lange Sekunden, Relativitätstheorie in der Praxis. Ich konnte es hinter dem grossen Schwein knacken hören. Als Jungjägerin bin ich noch nicht geübt darin zu unterscheiden, ob da weitere grosse, oder viele kleine Schweine kommen. Der kleine rote Punkte leuchtete unterdessen perfekt auf das Blatt des Schweins. Abziehen? Warten? Ich entschied mich für Warten, denn da war ja noch was im Busch. Langsam zog die Sau über die mondbeschienene Kirrung, so langsam, dass ich weiterhin versucht war abzuziehen, die Waffe war längst entsichert. 4mm und etwas Abzugsgewicht "meiner" geliebten Voere trennten das Tier vom Tod, für den Moment pardonnierte ich es. Aber?
Dann ging es rasend schnell, auf einmal war die ganze Kirrung voll mit kleinen Schweinen, 10-12 konnte ich zählen, und noch ein zweites, grosses Schwein dabei. Zum Glück war ich so geistesgegenwärtig und habe es verschont, ich hätte die Leitbache weggeschossen, die Frischlinge waren nicht mehr gestreift, es wäre kein Jagdvergehen gewesen, für das man mich vor Gericht hätte belangen können, aber eine erfahrene Bache ist Gold wert. Es gilt solche Tiere zu verschonen. Ich war einerseits kurz erleichtert und dann erst richtig angespannt, im Peltor konnte ich neben den schmatzenden Schweinen meinen Herzschlag hören, von Müdigkeit keine Spur mehr, Adrenalin rauscht durch den Körper, das Herz schlägt höher, Jagdfieber. Die schlaue Bache führte ihre Frischlinge genau auf den dunklen Schatten der Kirrung, wenn sich einer schnell -zu schnell für eine unerfahrene Jungjägerin- auf die hellen Flecken verirrte, wurde er zurückgegrunzt. Die ganze Zeit hatte ich die Waffe bereit im Anschlag, es war klar, dass es den kleinen Frischlingen galt und ich wartete -innerlich ungeduldig- äusserlich still, fast schon mit angehaltenem Atem auf meine Chance.
Sie kam nicht, die Bache war zu schlau und zeigte ihren Kindern, wie sie sich in einer Vollmondnacht verhalten müssen, um den nächsten Tag zu erleben. Eine halbe Stunde hörte ich sie schmatzen und wühlen, schubbern und quieken. Fast schon unerträglich. Keins machte einen Fehler, die Türmchen der Kirrung mit etwas Mais darunter, die wohlweislich genau im Mondlicht lagen, blieben unberührt. Ich konnte sie immer wieder kurz sehen, aber es stand nie eines so breit, dass ich zum Schuss kam. Auch das ist Jagd. Das stachelt an.
Ich bemerkte meinen Fehler zu spät, weil es so unerträglich heiss in der Kanzel war, als wir aufbaumten, hatte ich zwei Fenster geöffnet, als die Sauen anwechselten stand mir der Wind perfekt im Gesicht, auf einmal spürte ich ihn links im Gesicht und damit ging ein Luftzug durch meine Kanzel. Man sagt, dass Schweine nicht gut äugen (sehen), aber sehr gut winden (riechen). Die Bestätigung dafür erhielt ich an diesem Abend. Vermutlich war es die Melange aus Hund und Mensch, die der Bache verriet, dass sie gerade alle mit dem Leben davon gekommen waren, mit einem empörtem Blasen und lauten Geraschel waren alle in Windeseile verschwunden. Wie Schatten.
Samstag, 29. August 2015
Montag, 24. August 2015
Hund verschwunden...
Freya war ziemlich böse weg, fast 3.5 Stunden.... Was ist passiert?
Zuächst: Wie man einen Hund suchen sollte, der im dichten Wald "abgehauen" ist: Warten (bis zu 1. Stunde), falls zu lang, Decke, Rucksack, Kleidungsstück hinlegen, Auto auf dem Parkplatz öffnen und warten. Ja, einfach warten.... Hätt ich das so gemacht, ich hätte meinen Hund innert 30 min wieder gehabt. Das wichtigste: trust your dog. Dem Hund vertrauen, dass er wieder kommt. Es sind Jagdhunde, die kommen wieder.
Freya und ich sind gerade dabei einen guten Weg in Richtung "freilaufen ohne Leine" zu finden und ich war jeden Tag positiv und positivster überrascht, wieviel dieser Hund begriffen hat und wie eng ihre Bidung ist. Aber wieso passiert dann so ein Mist?
Ganz einfach....
Wie man einen Hund NICHT suchen sollte:
Entferne dich kopflos nach 10 Minuten von dem Platz, wo der Hund verloren ging, gehe dabei auf keinen Fall auf dem eigentlich bekannten Pfad, sondern denk dir: Mistkröte, jetzt verarsch ich dich erst recht und geh ganz woanders lang. Tu das möglichst in einem Waldstück, wo es viele verschlungene, kleine Wege gibt, die sehr unübersichtlich sind. Vertraue deinem Hund auf gar keinen Fall, dass er clever genug ist, dich zu finden, gib ihm auch möglichst keine Zeit dazu.
Wenn dir die Zeit dann doch zu lang vorkommt, geh auf irgendeinem Weg, der nicht der ist, wo ihr euch verloren habt, auf und ab und ruf dort ein bisschen. Pfeife auch.
Unterdessen wird der Hund bereits krampfhaft nach dir suchen:"Öööh, also ich hab ihren Hund vor 10 Minuten da hinten auf dem Weg gesehen, er kam schnell, ist dann aber wieder weg." Sind Aussagen, die du ernst nehmen solltest. Kein Hund, der ein Reh hetzt, läuft auf dem Weg. Aber nein, anstatt dein Auto zu öffnen und wenigstens am Parkplatz zu warten, lauf hin und fahr weg. Zum nächsten Bauernhof, um den Bauern um Rat und Hilfe und bitten. Lass dein Auto dort stehen und fahr mit dem Traktor weiter. Am besten ans andere Ende des Reviers, wo unterdessen der Jagdpächter, den du pflichtbewusst informiert hast, mit einem Gator auf dich wartet. Steige vom Traktor in den Gator. Dieser Spurwechsel wird deinen Hund in spätestens 15 Minuten sehr verwirren. Denn dann taucht er dort auf, es sind natürlich alle Spaziergänger informiert, die Info kommt per Telefon.
Natürlich wirst du deinen Hund so nicht finden, aber das Gefühl durch ein 1000ha Revier zu fahren ist 1. cool und 2. tut man aktiv etwas, um den Hund zu finden (nein, nicht wirklich, aber egal. Aktionismus ist prima!). Unterdessen hat der supernette( nein, völlig ohne Ironie, der war echt genial!) Jäger seine Jagdkollegen verständigt. Gib diesen vorsorglich den Rat genau so zu pfeifen, wie du es tust, um deinen Hund mit 4x dem gleichen Pfeifton im Revier weiter zu verwirren, nur so gewinnst du das Versteckspiel. Unterdessen haben wir gemeinsam das ganze, wunderschöne Revier angeschaut, ein bisschen über Hunde gequatscht und gemeinsam befunden: Mehr können wir nicht tun, wir sind alles abgefahren. Der Hund wurde unterdessen aber immer mal wieder gesichtet, nur wir haben ihn NICHT gesehen (Komisch, aber so funktioniert verstecken, wenn du nicht willst, dass dich jemand findet, such ihn...). Ein guter Tipp ist auch: Lass möglichst Fremde deinen Hund suchen, ruf bloss niemanden an, den der Hund kennen könnte, sonst endet das Spiel zu schnell und der Hund wähnt sich in Sicherheit.
Nachdem wir befunden hatten, dass es so einfach nicht werden würde und das arme Hundchen wohl draussen übernachten müsste, beschloss ich kurz heimzufahren, um zu schauen, ob sie dort wauf mich wartete, dabei hatte ich so viele, tolle Spuren im Revier hinterlassen, dass sie eigentlich beschäftigt war.
Aber es wurmte mich dennoch, Freyas Art war es eben gar nicht einfach so zu verschwinden, sie hatte mich auf jedem Spaziergang mit noch so viel Wild immer wieder gesucht und probiert den Kontakt mit mir aufrecht zu erhalten, nach vier Monaten ist ihre Führerbindung schon sehr stark. Also bin ich wieder hoch, auf den Parkplatz, wo wir den Spaziergang gestartet hatten. Dort fand ich, völlig erledigt auf "meinem" Parkplatz liegend, meinen Hund vor. Sie sprang mit eingezogener Rute, zitternd, durchnässt, dreckig und voller Kletten in mein Auto und rollte sich auf der Rückbank zusammen.
Ich muss sagen: Ich habe noch NIE so kopflos gehandelt, es ärgert mich, dass ich mich nicht an die elementarsten Regeln gehalten habe. Allerdings: Ich war besorgt, wäre eine Untertreibung meines Gemütszustandes gewesen. Ich war ausser mir, in der Nähe zwei gefährliche Strassen, der Wald unübersichtlich dicht und daneben grosse Maisfelder mit sicherlich einigen Wildschweinen darin. Ich hatte alle Horrorszenarien im Kopf, die man sich ausmalen kann. Auf dem Memo an mich steht: 1) das nächste Mal: bleib ruhig 2) übe mit Freya IMMER an deinem Rucksack Platz zu machen und zu warten, bis ich komme 3) sei froh, dass dein Hund clever ist und 4) TRUST YOUR DOG! hätte ich ihr vertraut, dass sie mich findet, wenn ich dort bleibe, wo wir uns verloren haben, dann wäre das ganze in 10-20 Minuten gegessen gewesen.
So haben wir einen Abend lang ein sehr gefährliches Versteckspiel gespielt.
Freya ist immer noch völlig von der Rolle und lässt mich keine Sekunde aus den Augen, nicht einmal Katzen auf der Strasse werden grossartig beachtet. Armes Mädel.
Dienstag, 21. Juli 2015
Wozu Erlegerbilder?
Das Bild, schlimmer wies es nicht sein könnte. Ein gerade geschossener Bock mit Zigarette im Äser, daneben eine militärisch anmutende Waffe und ein nichtmal annähernd lustiger Text. So fanden es viele Jäger, die ebenfalls auf Facebook unterwegs sind, heute vor. Natürlich geht das Bild sofort durch alle Kanäle, in alle Gruppen, auch zu den Feinden der Jagd, denen das natürlich Wasser auf die Mühlen bedeutet. Ich frage mich schon seit längerem wozu ich eigentlich jeden Morgen, wenn ich meinen FB Account öffne, erstmal mindestens 10-15 Erlegerbilder vorfinde. Was soll das? Ich kann die Freude über einen Abschuss nun nachvollziehen, es ist ein unvergleichgliches Gefühl, jedenfalls war es das für mich. Freude, Trauer, Ehrfurcht, Ehrgeiz, und noch einige Gefühle, die in der heutigen Welt keinen Namen mehr haben, treffen sich zu einem Cocktail, der das Herz höher schlagen lässt. Natürlich muss die Gemeinde davon erfahren, das verstehe ich! Ich habe auch sofort meine Jagdgeschichte verfasst, weil es das Medium ist, das mir am meisten zusagt. Aber ein Bild habe ich nicht gepostet. Nein, wozu? Wem dient es? Mir, weil ich dann besonders viele "likes" bekomme, die mein Dopaminzentrum noch eine Weile länger auf Kurs halten. Diese morgendlichen Erlegerbilder spiegeln nämlich die jagdliche Wahrheit in Deutschland gar nicht wieder, sie gaukeln den Gegnern eine Realität vor, die es so nicht gibt. Jäger geht raus, sieht nach 10 min ein Schwein, packt ein und geht heim. So einfach ist das nicht. Ich sass gestern Abend auch am Mais, versteckt auf einem Dreibein, was habe ich gesehen? Zwei Füchse und Sternschnuppen, vier Sternschnuppen, so viel Zeit, um in den Himmel zu schauen, hatte ich schon lang nicht mehr. Ich hab das Aufgehen der Sterne gesehen, diesen funkelnden Vorhang, der uns umarmt. Wunderschön! Sind es nicht diese Momente, an die uns ein Erlegerbild erinnern sollte? An die Mühe einer Pirsch, an das Herzklopfen vorm Schuss, an das Zittern danach, das ist zusammengefasst in einem oftmals schlechten Bild. Das sehen die Gegner der Jäger nicht und auch der breiten Öffentlichkeit ist das schwer verständlich zu machen.
In diesem Fall, der heute morgen gepostet wurde, stört mich nicht nur das offensichtliche Verstossen gegen die ungeschriebenen Traditionen und Werte der Jagd, die nicht einfach nur tradiert sind, um Jäger zu ärgern. Der letzte Bissen wurde zum Beispiel dafür benutzt, dass in einer Zeit ohne Landis mit Seilzug das Tier nicht in den Rucksack blutete (wenigstens nicht aus dem Äser), so hat es mir mein Prüfer erklärt, der Bruch wurde als Erkennungszeichen für den rechtmässigen Schützen verteilt. Ja, heute bräuchten wir das nicht mehr, aber manche Dinge gehören einfach dazu, vielleicht waschen sie mit der Zeit aus, aber der gewollte Bruch mit der Zigarette geht mir deutlich zu weit. Vielmehr stört mich der Umgang mit dem Tier. Ich sass sicher 20 Minuten neben "meinem" Bock, wie wenig Mitgefühl und wie wenig Respekt und Verantwortungsgefühl zeigt man gegenüber einem Tier mit dieser Zigarette? In einer Welt, in der wir soziale Kontakte gegen asoziale Netzwerke tauschen, zeigt ein "Jäger", eigentlich der Hüter des Wildes -so er es denn versteht- nicht mehr Mitgefühl mit diesem Tier, als ein Hundebesitzer, der seinen geliebten Hund im überhitzten Auto sterben lässt. Wo sind Mitgefühl und Respekt bei diesem Menschen gelandet? Zu welchen Taten ist jemand fähig, der sich so leichtfertig über das ihm anvertraute Wild lustig macht, die Pietät des Todes missachtet? Wie wenig zählt das Leben eines Tieres -und sei es der geringste Bock- für so eine Person.
Ohne Frage ist dieses Erlegerbild furchtbar, aber ich frage mich trotzdem - können wir unsere Erlebnisse, dazu gehören nunmal auch die Abschüsse, nicht anders präsentieren? Ein schönes Erlegerbild, professionell gemacht, weil man einen Pirschführer hatte und sich ein besonderes Geschenk gemacht hat, warum nicht. Aber diese "gestern Abend hats wieder gepasst"-Mentalität mit verwackeltem Handybild.. Ach bitte. Das muss nicht sein.
Sonntag, 19. Juli 2015
Der erste Bock
Zugegeben, ich habe lange darauf gewartet, heute Abend hat es gepasst - ich habe meinen ersten Rehbock erlegt. Nach der bestanden Jagdprüfung war ich zunächst nicht fleissig genug draussen - zu wenig Zeit, aber dann. Selbst gemerkt, immer an den unmöglichsten Stellen, aber jagen lernt man auch wirklich nicht in der Schule, man muss es tun. Wind? Hat auch nicht immer gepasst, da war so vieles, das man irgendwie wissen sollte und dann doch erst rafft, wenns wirklich soweit ist.. Ich habe Böcke gesehen, die aber zu weit weg waren, oder das Gras zu hoch, oder was auch immer.
Heute Abend hats gepasst, dabei war das eigentlich gar keine so gute Idee - ich war zu spät dran, aber irgendwie war mir nach "ab nach draussen" - in dieser Zeit kann ich immer herrlich abschalten, ich habe immer ein Buch dabei, das ich allerdings selten lese, meinen obligatorischen Pfefferminztee hatte ich vergessen. Ach egal, ein Stündchen lesen, oder zwei und dann abbaumen. Das ist perfekt. Es war so richtig heiss, die Rehe würden sich also erst spät zeigen und wenn überhaupt, davon war ich eigentlicht fest überzeugt, wieder nur Geiss und Kitz. Den ersten Bock wollte ich eigentlich blatten. Also begann der Abend reichlich unspektakulär, ich hatte nicht einmal ein Eichhörnchen im Anblick und spielte etwas selbstvergessen mit meinem Handy herum und las ein wenig. Eigentlich verfluchte ich mich, denn in meinem langen Shirt war mir wahnsinnig heiss, aber was tut man nicht der Tarnung zuliebe und gegen Mücken - so ein Bad im Rhein, das wäre sooo viel cleverer gewesen. Aber jagen macht süchtig, besonders, wenn man immer so schönen Anblick hat, wie ich bisher immer hatte, auch wenns nie gepasst hat.
Immer wieder hab ich mit meinem Fernglas den Waldrand abgesucht, nichts, nichts und wieder nichts. Aber dann, auch einmal, zwei braune Flecken - die beiden hatte ich nicht gehört, obwohl es so manches mal im Unterholz geknackst und geraschelt hat. Beide gleich gross... Naaa.... Da narrt mich doch wieder jemand. Fernglas hoch. Und lang angesprochen, weil ich mir erst nur die Geiss angeschaut hatte. Ein wunderschönes Tier. Dann zum zweiten Tier, ihr vermeintliches Kitz. Die Hitze konnte mir nicht gut tun, Kitze haben kein Gehörn. Aber das war da, ganz deutlich. Ich hab geschaut und geschaut, um wirklich ganz sicher zu gehen. Je länger, umso stärker klopfte mein Herz, komischerweise waren meine Hände völlig ruhig, aber mein Herz, den Herzschlag mussten die Tiere hören, aber sie blieben ruhig stehen und ästen ohne zu sichern. Waffe hoch, Anschlag, Zielfernrohr eingestellt, wie in der Jagdschule gelernt. Beim Schreiben dieser Zeilen fängt mein Herz wieder an zu klopfen. Waffe entsichert, nochmal geprüft, ob die Geiss weit genug entfernt steht, gewartet, bis der Bock wirklich ganz breit stand.
In dem Moment, als mein Finger sich beugte überraschte mich der Schuss selbst, ich hatte offenbar ausgeatmet und gleichzeitig - wie im Training - den Finger gekrümmt, als der kleine rote Punkt genau auf dem Herz des Böckchens stand. Wie gelernt schaute ich gebannt auf das Tier, es lief weg, als wäre nichts gewesen, Kopf hoch - ohjemine, das hatte ich anders gelernt. Nachrepetiert, und gesehen, wie der Bock nach wenigen Sprüngen plötzlich umfiel. Danach finde mein ganzer Körper an zu zittern, alles gut, sitzen bleiben, dem Tier Zeit lassen zu sterben. So hatten wir es in der Jagdschule gelernt. Nichts regte sich, nur die Geiss stand im Wald und schreckte. Furchtbar lang, laut. Rehe sind ja Einzelgänger, aber ich bilde mir ein, dass es ein Klagelied war. Ich möchte mir das einbilden dürfen. Zitterig wie ich war schloss ich die Fenster der Kanzel , warum auch immer, und baumte ab. Ich nahm nur meine Waffe mit, mein Ziel ganz klar, zu dem Bock hin. Um mich zu entschuldigen beim Tier, um einen Moment innezuhalten. Mir ist bewusst, dass dieser Abschuss gerechtfertigt und richtig war. Trotzdem liegt dort ein Tier zu deinen Füssen. Ganz frank und frei, ich habe mehr als eine Träne vergossen, einem Tier das Leben zu nehmen sollte nichts alltägliches werden.
Mit dem Mann an meiner Seite gab es natürlich das obligatorische Erlegerbild, ich habe mir überlegt, ob ich es posten möchte. Nein, ich werde es für mich behalten, es war so ein privater Augenblick, das erste Mal "Waidmannsdank" sagen und dabei die Freude des anderen spüren. Unnachahmlich.
Es schlagen zwei Herzen in meiner Brust, das Fleisch wird wahnsinnig lecker sein, es wird wieder Platz für all die Kitze und jungen Böcke geben und trotzdem ist es ein Individuum, dessen Leben ich durch meine Hand ausgelöscht habe. Ob ich stolz darauf bin? Nein. Stolz wäre das falsche Wort, ich freue mich, dass ich offenbar mittlerweile begreife, wie Jagd funktioniert - und doch gibt es noch so viel zu lernen. Ehrfürchtig wäre zu pathetisch. Genau wie das Bild und den Bruch werde ich die Trophäe, sprich das Gehörn dieses Bockes in Ehren halten. Ich werde ihn mir an die Wand hängen, um diesen Abend und dieses Gefühl nie zu vergessen. Ich möchte mich an den Anblick dieses Tieres auf der Wiese erinnern können, dafür steht für mich die Trophäe.
Meine beiden Mädels waren da bedeutend schmerzbefreiter, sie haben sich ungemein über den Pansen, Herz, Milz, Nieren und Leber gefreut, schliesslich haben sie all die Stunden auf dem Ansitz brav auf mich gewartet, das war mein Dankeschön. Wenn es nach ihnen ginge, dann könnte ich morgen gleich weitermachen.
Waidmannsdank.
Mittwoch, 8. Juli 2015
Die Amazonen
Jägerinnen sind eine ganz besondere Sorte Frau, wir sind hart im Nehmen, wissen, dass wir uns behaupten müssen und gleichzeitig repräsentieren wir die feminine Seite der Jagd. In ein Klischee kann man uns nicht drücken, wir sind selten dick (warum, dazu komme ich gleich), sportlich, ambitioniert und genussvoll. Wir sind einfach unglaublich :)
Viele Jägerinnen sind oder waren ebenfalls Reiterinnen, bei näherer Betrachtung fällt das gleich auf. Warum? Ich vermute, dass es etwas mit dem Biss zu tun hat. Männer sind meistens ja sowieso ambitioniert, wer schiesst den schönsten Bock? Wer kriegt am meisten Schweine, wer pirscht am besten. In den Mädelsforen wird das nur peripher diskutiert. Ich freu mich immer, wenn die anderen Mädels etwas erjagen können. Aber Reiterinnen und Jägerinnen haben Biss es durchzusitzen, zu warten, Geduld lernt man auf dem Pferd, wenn man schon hundert Mal unten lag und es immer noch nicht aufgibt. Biss sowieso. Irgendwann kommt der Bock. Der Moment kommt, wo du dich auf dem bockenden Pferd halten kannst (Haltungsnoten gibts ja nicht). So einfach. Jede Reiterin weiss das, jede Jägerin auch.
Ausserdem sind sowohl Jägerinnen als auch Reiterinnen gewohnt, dass sie dumme Sprüche kassieren, von Männern, Frauen, anderen Reiterinnen, Menschen, die nicht reiten, wie mans macht, man macht es sowieso nicht richtig "Wieso bist du so viel beim Gaul?" "Wieso gehst du so oft zur Jagd?" "Du Tierlitöterin" "Du Tierquälerin, das arme Pferd" ""Ich mag Pferd am liebsten mit Kräuterbutter!" "Möchtest du mir mal den Boden vor deinem Waffenschrank zeigen?"...... Jaaaa...... Wir können darüber lachen und im Stillen "Ar****" denken. Jagdgegner? Nicht schlimmer als ein lästiger Schnupfen, wir kennen eure "Argumente", wisst ihr was? Es kratzt uns nicht, wir haben jahreland mit anderen, zum Teil sehr viel missgünstigeren Weibern im gleichen Stall geritten, dagegen sind eure Hasstirade eine Pusteblume.
Nur Weiber können anderen Mädels das Leben zur Hölle machen. Da liegt der Hund begraben, irgendwann haben die coolen Mädels die Schnauze voll von Zickenkriegen. Deshalb ziehen unsere Pferde auf Weiden oder in Ställe, wo die Frauenmaximaldichte bei 2/ha liegt. Das ist vollkommen akzeptabel. Da wir bereits jahrelang Erfahrung darin haben, wie es ist unter Frauen/Mädels/Weibern zu sein, suchen wir uns also eine Beschäftigung, die dem Reiten maximal ähnlich ist, aber trotz allem so wenig wie möglich Frauen beinhaltet. Jagen. Jagen ist die Antwort auf die Frage: Wo kann ich auf hohem Niveau mit Tieren (Jagdhunden) arbeiten, meine Ruhe finden, anstrengenden Sport treiben, der nicht in einem Zimmer mit anderen schwitzenden Weibern stattfindet, mein kluges Köpfchen einsetzen, ab und an gepflegt einen über den Durst trinken, der Natur nah sein und vielleicht sogar etwas für die Umwelt tun. Genau. Da sind wir. Jagen. Natürlich beinhaltet es noch, auch ganz Amazone, die Essensbeschaffung, wobei ich bei meinem Glück derzeit Vegetarierin sein müsste.
Nur Weiber können anderen Mädels das Leben zur Hölle machen. Da liegt der Hund begraben, irgendwann haben die coolen Mädels die Schnauze voll von Zickenkriegen. Deshalb ziehen unsere Pferde auf Weiden oder in Ställe, wo die Frauenmaximaldichte bei 2/ha liegt. Das ist vollkommen akzeptabel. Da wir bereits jahrelang Erfahrung darin haben, wie es ist unter Frauen/Mädels/Weibern zu sein, suchen wir uns also eine Beschäftigung, die dem Reiten maximal ähnlich ist, aber trotz allem so wenig wie möglich Frauen beinhaltet. Jagen. Jagen ist die Antwort auf die Frage: Wo kann ich auf hohem Niveau mit Tieren (Jagdhunden) arbeiten, meine Ruhe finden, anstrengenden Sport treiben, der nicht in einem Zimmer mit anderen schwitzenden Weibern stattfindet, mein kluges Köpfchen einsetzen, ab und an gepflegt einen über den Durst trinken, der Natur nah sein und vielleicht sogar etwas für die Umwelt tun. Genau. Da sind wir. Jagen. Natürlich beinhaltet es noch, auch ganz Amazone, die Essensbeschaffung, wobei ich bei meinem Glück derzeit Vegetarierin sein müsste.
Reiterinnen bringen ausserdem eine ganz wichtige Eigenschaft zur Jägerei mit. Uns ist nämlich bewusst, dass Wetter oft ein fieser Begleiter ist. Wir wissen, dass nicht alles so hübsch rosa ist in der Wetterwelt, wie uns der Wetterdienst weissmachen will. Wir wissen, dass Neuschnee nicht heisst, dass man durch eine leicht wattierte Welt geht - bei Sonnenschein und blauem Himmel, sondern wir wissen, wie fies nass und kalt Neuschnee ist, wenn er den Schal durchweicht hat. Wir wissen, wie wir uns anziehen müssen, damit wir im Schrittausritt nicht auf dem Sattel festfrieren und welche Handschuhe die wärmsten sind. Wir wissen, dass wir auf Drückjagden mindestens noch 4 mal Wechselklamotte dabei haben müssen, weil Männer Frauen nicht schonen. 2 Kilometer Fichtenschonung mit Brombeerbewuchs? Hei Mädels, das ist euer Trieb! Haha! Kleinere Blessuren nehmen wir ohne mit der Wimper zu zucken hin und wir kennen die Vorteile von wasserfester Mascara, nicht weil wir heulen, sondern weil wir schwitzen. Reiterinnen wissen bereits vor dem ersten Sommeransitz, welches Mückenmittel besonders gut hilft (das ist nämlich von Haut zu Haut verschieden) und wie sehr die Bisse von Pferdebremsen weh tun (und das sie selbst durch Jeans stechen, diese Biester). Die Ration Quark liegt bei richtig fiesen Stichen griffbereit im Kühlschrank.
Wir erkennen Gangabnormalitäten bei allen Waldtieren sofort, denn wer ein lahmendes Pferd erkennt, der weiss auch, wie ein lahmendes Reh aussieht. Wir wissen, dass man im Frühjahr von plötzlichen Kälteeinbrüchen immer dann heimgesucht wird, wenn man garantiert nichts Warmes zum Anziehen dabei hat und beugen dem bereits im Ansatz vor. Reiterinnen haben ebenfalls keine Scheu vor allerlei "ekligen" Dingen. "Komm, wir helfen beim Hufabszess ausschneiden", wer den Spruch einmal überlebt hat, der kann auch locker aufbrechen, ohne dass sie umfällt. Was unsere werten Mitjäger nicht wissen, Reiterinnen wissen, wie man in 5 Minunten einen Hengst im Stehen kastrieren kann.
Wir erkennen Gangabnormalitäten bei allen Waldtieren sofort, denn wer ein lahmendes Pferd erkennt, der weiss auch, wie ein lahmendes Reh aussieht. Wir wissen, dass man im Frühjahr von plötzlichen Kälteeinbrüchen immer dann heimgesucht wird, wenn man garantiert nichts Warmes zum Anziehen dabei hat und beugen dem bereits im Ansatz vor. Reiterinnen haben ebenfalls keine Scheu vor allerlei "ekligen" Dingen. "Komm, wir helfen beim Hufabszess ausschneiden", wer den Spruch einmal überlebt hat, der kann auch locker aufbrechen, ohne dass sie umfällt. Was unsere werten Mitjäger nicht wissen, Reiterinnen wissen, wie man in 5 Minunten einen Hengst im Stehen kastrieren kann.
Ausserdem sind wir -obwohl ihr die Bilder von uns im ladypinken Turnierdress gesehen habt- längst keine Tussen. Oder meint ihr etwa, dass wir die Boxen unserer Pferde nicht selber sauber machen können? Wer schon einmal versucht hat einen Hengst an einer rossigen Stute vorbeizuführen, oder einen lahmenden Gaul im Winter auf Anraten des Tierarztes in der Box mit 5 Minuten Schritt pro Tag gehalten hat, der hat auch keine Angst vor einem Wildschwein.
Reiten ist ne prima Sache, aber nur die tollsten Reiterinnen werden Jägerinnen, echte Amazonen. Habt ihr jetzt auch verstanden, richtig?!
Freitag, 19. Juni 2015
Einarbeitung im Sauengatter
Ein wichtiges, oder vielleicht mein wichtigstes Thema ist die Hundearbeit, wenn es um Jagd geht. Jagd ohne Hund ist Schund und dazu stehe ich auch. Im dümmsten Fall muss ich ein bisschen bei der tatsächlichen Jagdausübung zurückstecken, um dafür toll ausgebildete Hunde zu haben. Vor sieben Wochen ist Freya bei mir eingezogen, eine Deutsch-Drahthaar Hündin, die vorher ein fieses Leben im Zwinger gefristet hat und naja, es kommt immer anders, als man denkt. Sie ist ein bisschen zu stürmisch, ein absoluter Arbeitshund, deren Motivationsspritze ich derzeit suche (oder bereits gefunden habe, mit der ich aber noch nicht so viel anfangen kann.. ein ander Mal mehr dazu). Eule oder Trine, wie sie im Hausgebrauch heisst, ist nämlich scharf wie Nachbars Lumpi. Bei Lotti, meiner Beagleine weiss ich ja, auf was ich mich einlasse. Ich kenne sie, seit sie 8 Wochen alt ist und kenne ihre Schliche und ihre "Schärfe" am Wild. Sie ist eine richtige Schubserin, sie schubst gerne Rehe und weniger gern Schweine. Sie liebt Nasenarbeit und rastet fast aus, wenn es zur Drückjagd geht. Mit Schweinen würd sie sich nie anlegen, da bin ich mir immer sicher gewesen. Freya hingegen ist eine Wundertüte. Bevor ich also viel Zeit und Geld in Schweisshundekurse stecke und sie am Ende nichts dümmer findet als Wildschweine, fühlte ich mich dazu aufgefordert meinem Ausbilder in der Jagdschule Folge zu leisten und meine Hunde in einem geordneten Rahmen den Wildschweinen vorzustellen. Dazu gibt es Wildschweingatter, wo die Hunde in Kontakt mit den Schweinen kommen können.
Mit wenig Schlaf und richtig mulmigem Gefühl fuhr ich also los, sowas hatte ich noch nie gemacht. Keine Ahnung, kein Schimmer. Mitbringen sollte ich erstmal nichts ausser mir und den Hunden. Natürlich hatte ich voher ehrlich geschrieben, dass ich und die Hunde keine Ahnung hätten und Freya eine Wundertüte sei.
Der Ort war erwartungsgemäss unspektakulär, es roch nichtmal gross nach Schweinen und war einfach Wald mit Zaun drumrum. Bei näherkommen sah ich aber schon eine ordentlich grosse Bache, die offenbar mit ihrem Betreuer spielte. Wer denkt, dass die Tiere gestresst sind, der irrt also gewaltig. Vorgestellt, mordsnett begrüsst worden, wie das halt unter Jägern so üblich ist. Mein Handschweiss senkte sich auf Normalniveau. Ich erklärte nochmal alles ausführlich: "Macht doch nichts. Es ist nie zu spät Hunde einzuarbeiten und auch Beagles können etwas lernen." Pouh, auch das grummlige Gefühl in meiner Magengegend liess nach, normalerweise werden genau die nämlich als Deppen vom Dienst angeschaut. Nicht wildscharfe Engländer, denen der deutsche Jäger wenig abgewinnen kann, wegen ihr wäre ich eigentlich auch nicht gefahren. Freya, das braune Teufelinchen interessierte mich brennend.
Zunächst aber war Lotti dran, wir gingen zu den "Kindergartenschweinen", die beiden stellen sich nicht, sondern laufen einfach weg und legen sich, wenn sie das Gefühl haben, dass sie genug getan haben, einfach wieder hin. Lotti war an der Leine ungehalten und wollte los, die Schweine im Anblick schnallte ich sie (ich befreite sie von Leine und Halsband) und sie spurtete etwas vorlaut los. Für den Moment wars das aber auch, die Gattermeisterin fragte mich, was mein Ziel wäre. Naja, ein bisschen Bewegung reinbringen darf sie ja schon. Also spurtete ich meinem unglaublichen flinken, johlenden Beagle hinterher, die die Jagd mit Frauchen eindeutig besser fand, als alleine da rumzuhampeln. Ich merkte, wie sie an Selbstvertrauen gewann und Spass daran hatte den Schweinen hinterherzujagen. Trotzdem war ich wahnsinnig beruhig, als meine Begleiterin mir deutlich sagte, dass sie wohl nie eng an Schweinen jagen wird. Völlig ok, wenn sie genug Selbstvertrauen hat, sie laut zu jagen, dann reicht mir das bei ihr völlig. Lotti kam brav und völlig happy auf Abruf und ich war stolz. So ein gutes Mädchen.
Dann, meine Wundertüte. Was soll ich sagen. Anfeuern musste ich sie nicht, es wirkte fast so, als ob sie es vermisste, dass die Schweine sich nicht stellten. Sie animierte sie schon fast. An Abruf war nicht zu denken, sie trieb die beiden Wildschweine vor sich her, als hätte sie nie etwas anderes getan. Die Schweine hatten deutlich einen Schritt schneller drauf, als bei Lotti und versuchten Freya abzuschütteln, was aber nicht gelang. Unglaublich schnell schlug meine Hündin Haken hinterher, setzte über jeden Busch. Abruf? Fehlanzeige. So eine blöde Ziege, das hatten wir so geübt. Aber was erwarte ich? Der Hund ist 7 Wochen bei mir und darf vermutlich eines der wenigen Male in seinem Leben das tun, wozu er gezüchtet wurde. Nach einer gefühlten Ewigkeit, in der ich (völlig aussichtslos) versuchte den Schweinen und dem Hund hinterherzuhechten, um mich auf meinen Hund zu werfen, kam sie an. Glücklich. Überglücklich. Die Schweine verschwanden in ihrer Suhle. Gestresst sahen sie nicht aus, sondern schmissen sich genüsslichst in den Dreck, als hätten sie das Fitnessprogramm des Tages hinter sich. Natürlich ist nur eine sehr kleine, beschränkte Anzahl Hunde in den Gattern zugelassen, aber ein gestresstes Schwein sieht anders aus. Nach dieser Vorstellung wurde die Gattermeisterin mehr als deutlich: "Dieser Hund braucht eine Weste, die schreckt vor nichts zurück. Nochmal kommen muss sie auch, die muss wissen, wie es anfühlt, wenn so eine Sau sich stellt und sie annimmt." Es stand auch für mich ausser Frage, dass ich in eine Schutzweste investieren werde, ausserdem bin ich mehr als froh, dass ich weiss, wie mein Hund auf Wildschweine im Angang reagiert. Beim zweiten Termin wird sich zeigen, wieviel Herz sie hat. Meine Prognose: viel. Sie wird nicht locker lassen. Meine Hoffnung: vielleicht nicht so viel, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzt.
Schlussendlich ist mir sehr bewusst geworden, wieviel ich von meinen Hunden verlange, wieviel sie mir geben und ich diese Hingabe an manchen Tagen zu wenig ernst nehme. Lotti hat die Schweine definitiv nicht wegen ihr, sondern für mich gejagt. Sie hätte sie angebellt und das wärs gewesen. Freya klar, sie hat es für sich getan, aus Freude. Gleichwohl stellt dieser Besuch für jede folgende Drückjagd Weichen, die ich nicht mehr rückgängig machen kann. Gute und schlechte. Die Hunde wissen, auf was sie sich einlassen, können Wildschweinen besser begegnen. Andererseits, werden sie nicht zu viel Mut haben? Die Kindergartenschweine sind viel, viel freundicher, als jedes wilde Schwein. Spüren sie den Unterschied? Ich kann es nur hoffen. Trotzdem verspreche ich mir, dass meine Hunde besser vorbereitet sind. Wer mit Hunden jagt, geht immer das Risiko ein, sie zu verlieren. Ob ich sie deshalb nicht mehr mitnehmen würde? Sicher nicht, es gehört zu ihrem Naturell, Lottis strahlendes, völlig verdrecktes Beaglegesicht zu sehen, wenn sie sich Käse stibitzen kommt an einer Drückjagd - unbezahlbar. Ihr Glück, wenn sie wieder abschnürt, um kurz darauf wieder in ihren Spurlaut zu verfallen. Nein, für kein Geld der Welt möchte ich es ihr nehmen. Die Angst habe ich im Rucksack dabei. Wir drei werden Jägerinnen, hoffentlich gute und waidgerechte, die beiden sind meine Schätze, auf deren Nase und deren Instinkte ich mich verlassen kann. Dazu muss ich sie tun lassen, was Jagdhunde tun. Auch wenn es das vorzeitige Ende bedeuten kann.
Dienstag, 2. Juni 2015
Was ich jag`, das neckt mich...
Endlich hab ichs geschafft. Jagdschein in der Tasche, ich kann es manchmal noch gar nicht so richtig fassen und fühle mich wie eine Königin, wenn ich mit der Waffe auf dem Rücken durch den Wald spaziere oder ansitzen gehe.
Geschossen habe ich noch nichts, gesehen zwar schon so einiges, aber es hat immer noch recht für den perfekten Schuss gepasst und da ich mich nicht hetzen lassen möchte, warte ich lieber.
Dieses Warten, meine Güte. Ich war ja früher schon oft ansitzen, aber nun, mit der Waffe dabei, fühlt es sich viel "ernsthafter" an. Kein Witz! Früher wusste ich, ob ich was sehe, oder nicht. Egal, das ist meine Freude. Heute kitzelt es schon manchmal, sehe ich was? Klappt es heute?
Heute morgen war ich ehrlich gesagt wirklich etwas kitzlig drauf, mein Wecker war um 3.30 gestellt (früher wäre ich niemals auf die Idee gekommen so früh aufzustehen), ich war aber bereits um 3 Uhr wach und irgendwie ready to go. Also meine Mädels noch etwas schlafen lassen, meinen obligatorischen Pfefferminztee mit Zitrone gemacht - ich liebe Pfefferminztee, mit Zitrone ists einfach perfekt, und gehört auf den Ansitz. Ich hab sogar das erste Mal mein Buch vergessen, eigentlich hatte ich immer eins in meinem überdimensionierten Jagdrucksack, aber morgendlich Ansitz bieten ein derart grandioses Vogelkonzert... Das sollte man sich nicht entgehen lassen. Ausserdem ists spannend, was da so kreucht und fleucht. Und wie gesagt, ich war innerlich unruhig.
meine beiden Hundedamen ins Auto verfrachtet, die waren so müde, dass sie vergessen haben zu pieseln, Gewehr geholt und los.
Im Wald hab ich die Hunde direkt im Auto gelassen. Aber ehrlich, es ist schon mulmig nachts allein durch den Wald zu laufen, ich bilde mir immer ein besser geschützt zu sein, wenn ich die Waffe dabei habe. Aber das ist natürlich Blödsinn. Beruhigt aber ungemein.
Bis zum Abend vorher war ich mir nicht sicher, wo ich mich hinsetzen wollte. An eine Kirrung, klar. Vielleicht kommen ja Schweine vorbei.. Aber welche? Ich bin noch keine erfahrene Jägerin, daher spreche ich mich mit meinen Mitjägern ab, aber schlussendlich muss ich selbst entscheiden. Dazu gibt es keine schlauen Bücher, da muss ich nun einfach so durch. Versuch macht kluch, sagt man doch so salopp. Die Kirrungen war in letzter Zeit eigentlich gut angenommen, sprich, da könnte was gehen. Aber wann kommen sie. Voller Spannung und das erste Mal wirklich leise, ohne irgendwo anzudütschen, ohne grossartig auf Äste zu treten (man glaubt gar nicht, wie schwierig das ist!) oder andere Katastrophen hab ich den Sitz erreicht und mich dort leise eingerichtet.
Wieviel man lernt ist unglaublich, ich kann mittlerweile praktisch lautlos die Kanzelfenster öffnen, nur mein Tee. Da plätschert es halt etwas, aber das ist kurz und das muss einfach sein.
Eingerichtet und fertig, endlich. Fernglas hoch. Oh man, die Kirrung ist leer. Die Schweine waren schon da. Naja, macht nichts. Vielleicht kommt ein Rehbock vorbei, die wären auch noch offen.
Aber es passiert lange nicht. Gar nichts. Ich sehe zwei Mäusebussarde bei der Jagd, was mich ungemein fasziniert hat, zwei Eichelhäher verraten meinen Sitzplatz durch ihr Gekreische. Diese Vögel sind wirklich Petzen, eine ziemlich zerrupfte Fuchsfähe schleicht eilig zurück in ihren Bau.
auf einmal höre ich sie. Rehe. Das heisere Schrecken erkenne ich sofort. Ungefähr genau dort, wo ich vorgestern Abend lange angesessen habe. Super, was wäre meine zweite Option gewesen.
Was tun? Sitzen bleiben? Hochfahren ist gar keine Option. Abbaumen und heimfahren mag ich auch noch nicht. Pirschen. Noch nie gemacht. Wie geht das? Langsam. Klar. Leise. Auch klar. Immer den Wind im Gesicht. Ok. Ich baume also leise und vorsichtig ab und gehe dem Waldweg leise und langsam nach, bis ich auf den Wechsel komme, wo ich Rehe vermute. Leise und langsam. Wie in Zeitlupe. Meine Waffe hab ich auf dem Rücken, ganz schön schwer auf jeden Schritt zu achten, leise zu sein, auf nichts zu treten. Aber hei. Es klappt. Vor mir stehen zwei Rehe. Ein Schmalreh und eine Geiss mit dicker Spinne, also Gesäuge unter dem Bauch. Aber es passt wieder nicht, kein Kugelfang. Komisch, das etwas, das sich in meinem kopf festgesetzt hat: Kugelfang ist nur gewachsener Boden. Keine Strassen, keine Wege, einfach nur Boden. Ich schaue den beiden eine Weile zu und mache mich leise auf den Rückzug.
Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht, meine heutige Jagd war spannend, so spannend, wie noch keine. Ich bin zwar wieder einmal ohne Beute nach Hause, aber das kommt, da bin ich sicher.
Erlebnisse, wie heute morgen sind für mich wertvoller und prägender. Einfach wunderbar.
Geschossen habe ich noch nichts, gesehen zwar schon so einiges, aber es hat immer noch recht für den perfekten Schuss gepasst und da ich mich nicht hetzen lassen möchte, warte ich lieber.
Dieses Warten, meine Güte. Ich war ja früher schon oft ansitzen, aber nun, mit der Waffe dabei, fühlt es sich viel "ernsthafter" an. Kein Witz! Früher wusste ich, ob ich was sehe, oder nicht. Egal, das ist meine Freude. Heute kitzelt es schon manchmal, sehe ich was? Klappt es heute?
Heute morgen war ich ehrlich gesagt wirklich etwas kitzlig drauf, mein Wecker war um 3.30 gestellt (früher wäre ich niemals auf die Idee gekommen so früh aufzustehen), ich war aber bereits um 3 Uhr wach und irgendwie ready to go. Also meine Mädels noch etwas schlafen lassen, meinen obligatorischen Pfefferminztee mit Zitrone gemacht - ich liebe Pfefferminztee, mit Zitrone ists einfach perfekt, und gehört auf den Ansitz. Ich hab sogar das erste Mal mein Buch vergessen, eigentlich hatte ich immer eins in meinem überdimensionierten Jagdrucksack, aber morgendlich Ansitz bieten ein derart grandioses Vogelkonzert... Das sollte man sich nicht entgehen lassen. Ausserdem ists spannend, was da so kreucht und fleucht. Und wie gesagt, ich war innerlich unruhig.
meine beiden Hundedamen ins Auto verfrachtet, die waren so müde, dass sie vergessen haben zu pieseln, Gewehr geholt und los.
Im Wald hab ich die Hunde direkt im Auto gelassen. Aber ehrlich, es ist schon mulmig nachts allein durch den Wald zu laufen, ich bilde mir immer ein besser geschützt zu sein, wenn ich die Waffe dabei habe. Aber das ist natürlich Blödsinn. Beruhigt aber ungemein.
Bis zum Abend vorher war ich mir nicht sicher, wo ich mich hinsetzen wollte. An eine Kirrung, klar. Vielleicht kommen ja Schweine vorbei.. Aber welche? Ich bin noch keine erfahrene Jägerin, daher spreche ich mich mit meinen Mitjägern ab, aber schlussendlich muss ich selbst entscheiden. Dazu gibt es keine schlauen Bücher, da muss ich nun einfach so durch. Versuch macht kluch, sagt man doch so salopp. Die Kirrungen war in letzter Zeit eigentlich gut angenommen, sprich, da könnte was gehen. Aber wann kommen sie. Voller Spannung und das erste Mal wirklich leise, ohne irgendwo anzudütschen, ohne grossartig auf Äste zu treten (man glaubt gar nicht, wie schwierig das ist!) oder andere Katastrophen hab ich den Sitz erreicht und mich dort leise eingerichtet.
Wieviel man lernt ist unglaublich, ich kann mittlerweile praktisch lautlos die Kanzelfenster öffnen, nur mein Tee. Da plätschert es halt etwas, aber das ist kurz und das muss einfach sein.
Eingerichtet und fertig, endlich. Fernglas hoch. Oh man, die Kirrung ist leer. Die Schweine waren schon da. Naja, macht nichts. Vielleicht kommt ein Rehbock vorbei, die wären auch noch offen.
Aber es passiert lange nicht. Gar nichts. Ich sehe zwei Mäusebussarde bei der Jagd, was mich ungemein fasziniert hat, zwei Eichelhäher verraten meinen Sitzplatz durch ihr Gekreische. Diese Vögel sind wirklich Petzen, eine ziemlich zerrupfte Fuchsfähe schleicht eilig zurück in ihren Bau.
auf einmal höre ich sie. Rehe. Das heisere Schrecken erkenne ich sofort. Ungefähr genau dort, wo ich vorgestern Abend lange angesessen habe. Super, was wäre meine zweite Option gewesen.
Was tun? Sitzen bleiben? Hochfahren ist gar keine Option. Abbaumen und heimfahren mag ich auch noch nicht. Pirschen. Noch nie gemacht. Wie geht das? Langsam. Klar. Leise. Auch klar. Immer den Wind im Gesicht. Ok. Ich baume also leise und vorsichtig ab und gehe dem Waldweg leise und langsam nach, bis ich auf den Wechsel komme, wo ich Rehe vermute. Leise und langsam. Wie in Zeitlupe. Meine Waffe hab ich auf dem Rücken, ganz schön schwer auf jeden Schritt zu achten, leise zu sein, auf nichts zu treten. Aber hei. Es klappt. Vor mir stehen zwei Rehe. Ein Schmalreh und eine Geiss mit dicker Spinne, also Gesäuge unter dem Bauch. Aber es passt wieder nicht, kein Kugelfang. Komisch, das etwas, das sich in meinem kopf festgesetzt hat: Kugelfang ist nur gewachsener Boden. Keine Strassen, keine Wege, einfach nur Boden. Ich schaue den beiden eine Weile zu und mache mich leise auf den Rückzug.
Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht, meine heutige Jagd war spannend, so spannend, wie noch keine. Ich bin zwar wieder einmal ohne Beute nach Hause, aber das kommt, da bin ich sicher.
Erlebnisse, wie heute morgen sind für mich wertvoller und prägender. Einfach wunderbar.
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